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Ich bin schon in der Cloud

Wenn ich ehrlich sein soll, und das bin ich immer, geht mir die Diskussion um die “Cloud” aber gehörig auf die Nerven. Schon vor Jahren als die Innovation angekündigt, gab es nun wieder eine Tagung, die am “normalsterblichen” PC- und Internetbenutzer komplett vorbei gegangen ist. Dieses “Cloud-Forum”, das in Berlin stattfand, beschäftigte sich dabei mit Anwendungen, die in der Cloud benutzt werden.

Was ist denn nun die Cloud?

Einfach erklärt geht das so: Bis jetzt haben Sie Ihre Texte und Kalkulationen mit den dafür geeigneten Programmen auf Ihren eigenen Rechner gemacht, der entweder an Ihrem Arbeitsplatz, oder bei Ihnen zu Hause auf dem Schreibtisch steht. Selbstverständlich haben Sie das Ergebnis dieser Arbeit auf Ihrer Festplatte abgespeichert. Genau diese Tätigkeiten sollen Sie nun aber ins Internet verlegen. Sie rufen dazu Ihren Browser auf, loggen sich in Ihre “Cloud” ein und erledigen die Arbeiten online.

Dies hat, wenn man es richtig betrachtet, immense Vorteile. Theoretisch bräuchten Sie nur noch einen Browser, um effektiv zu arbeiten. Sie brauchen keinerlei Programme mehr zu installieren, denn alles, was Sie brauchen, wird Ihnen von der Cloud zur Verfügung gestellt. Sie sparen sich auch eigenen Speicherplatz oder teure Sicherungs- und Backupsysteme, denn diese Sicherheit ist fester Bestandteil der Cloud. Sonst würde es auch keinen Sinn machen, seine komplette Korrespondenz in die Cloud zu verlegen.

Diese Cloud kann sich auch komplett um Ihre Daten kümmern, denn virtuelle Festplatten schießen im Moment ebenfalls wie Pilze aus dem Boden. Dies sind Speichersysteme, die Ihnen von verschiedenen Anbietern offeriert werden. Manche davon sind kostenlos, manche wollen, vor allem für die Sicherheit der Daten, eine monatliche Bezahlung. Auch hier redet man von einer Cloud, nur das Sie eben nicht mit Online-Programmen arbeiten, sondern “nur” Ihre Daten speichern.

Wie sieht so etwas aus?

Wenn Sie ein Postfach bei GMX, WEB oder Google haben, dann können Sie sich bereits jetzt mit der Cloud beschäftigen. All diese Anbieter bieten Textverarbeitung und Tabellenkalkulation an. Müssen Sie bei GMX und WEB dafür monatlich etwas bezahlen, bekommen Sie diese Funktionen bei einem Google-Postfach völlig kostenlos. Einzige Voraussetzung, die Ihr Computersystem mitbringen muss ist ein installiertes Java.


Wenn Sie bei WEB ein Dokument speichern, wird dieses entweder in Ihr “Smart-Drive” (die virtuelle Festplatte Ihres WEB-Accounts) oder auf Ihrer heimischen Festplatte abgelegt (was die Cloud dann eigentlich wieder unnötig macht). Doch die Frage bleibt: Wie lässt sich mit diesem Programm arbeiten? Ich habe dazu einen 20-seitigen Blindtext genommen und in das Dokument eingefügt. Wie WEB-Office damit zurechtkommt, sehen Sie in diesem kleinen Video:

Diesen Text habe ich online verändert, formatiert, neuen Text und sogar ein Bild von meinem Rechner eingefügt und die Geschwindigkeit war immer zufriedenstellend. Dies mag aber auch daran liegen, dass ich über eine 16.000-DSL-Leitung verfüge. Das Gleiche habe ich mit einer umfangreichen Excel-Tabelle  gemacht und auch hier war die Geschwindigkeit durchaus zufriedenstellend.

Die Grenzen der Cloud

Es ist ein Einfaches, Ihre komplette berufliche oder private Korrespondenz über die Cloud-Anwendungen zu erledigen. Die Geschwindigkeit ist ausreichend, der Umfang ebenfalls. Die Anwendungen Text und Tabellen bei Web, Gmx und Google stehen Word und Excel in Nichts nach. Sie können die erstellten Dokumente nach Word und Excel exportieren, auch das ist kein Problem. Genügend Speicherplatz vorausgesetzt, können Sie Jahre damit arbeiten, ohne an irgendwelche Grenzen zu stoßen.

So habe ich eines meiner Bücher als DOC gespeichert und es in WEB-Office wieder eingelesen. Das Ergebnis ist beeindruckend, weil selbst jetzt, mit über 300 Seiten und mehreren Bildern, die Geschwindigkeit wirklich bemerkenswert ist. Leider ist das Ergebnis aber auch schwer enttäuschend, weil das Buch nun auf einmal 380 Seiten hat (es sind nämlich nur 320 Seiten im Original). Dabei wurden zwar die Seitenränder und die Seitengröße richtig übernommen, die Schriftgröße wurde von WEB-Office aber von Größe 11 auf Größe 12 geändert. Dies macht ein umfangreiches Nacharbeiten nötig, was nicht gerade erfreulich ist. Und es macht auch nicht wirklich Spaß, denn obwohl ich z.B. die Absatzvorlage von WEB-Office angepasst habe, wollte das Cloud-Programm diese Änderung der Standard-Absätze einfach nicht durchführen. So ist das Programm schlicht unbrauchbar. Aber auch andere Formatierungen hat es beim Ex- und Import vollkommen zerbröselt, z.B. das Inhaltsverzeichnis:


Was passiert mit Ihren Daten?

Darüber sollten Sie sich im Klaren sein: Wenn Sie tatsächlich in der Cloud arbeiten, liegen Ihre Daten komplett unverschlüsselt auf den Servern Ihres Anbieters herum. Wenn Sie ein schlechtes Passwort verwenden, könnte Ihre Cloud gehackt werden und alle Daten wären verloren. Was Google mit diesen Daten macht, das wage ich gar nicht zu erwähnen, aber das können Sie sich sicher auch selbst denken. Es wäre also durchaus sinnvoll, eine Kopie all Ihrer in der Cloud gesammelten Daten ebenfalls auf Ihrem Rechner zu Hause vorrätig zu halten. Dazu kann man leicht ein kleines Programm zum Synchronisieren der Online-Festplatte mit dem heimischen Rechner benutzen. So können Sie sich sicher sein, dass Sie Ihre Daten nicht komplett verlieren, wenn vielleicht ein Konkurrent Zugriff auf Ihre Cloud bekommt (z.B. durch einen unzufriedenen Mitarbeiter).

Was ist nun sinnvoll?

Wenn Sie z.B. einen Teil Ihrer privaten Bilder im Internet speichern, dann sind Sie bereits “in der Cloud”. Google bietet mit Picasa unbegrenzten Speicherplatz an, wenn die Bilder eine Größe von 800x600 nicht überschreiten. Ihre wichtigen Briefe können Sie im Google-Drive speichern (5 GB kostenlos), müssen dann aber damit rechnen, dass sich Google für den Inhalt dieser Daten interessiert.

Anbieter gibt es viele…

Anbieter für kostenlose- oder kostenpflichtige Anwendungen im Internet gibt es inzwischen viele. Wenn Sie mehr Speicherplatz brauchen, müssen Sie immer mit einem monatlichen Beitrag für den entsprechenden Service rechnen.

Mein Fazit

Ich halte die Cloud für eine gute Sache. Meine privaten Bilder liegen schon lange auf Picasa (für die Ewigkeit gespeichert) und meine “Eigenen Dateien” habe ich in Google-Drive gesichert. So kann mir, selbst wenn ich hier zu Hause alle Daten verlieren, wenigstens die wichtigsten Dateien nicht verloren gehen. Was sinnvoll für Sie ist, das müssen Sie selbst entscheiden.

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