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Sexismus ist was Feines

Ich bin ein Sexist und ich gebe das offen zu. Gerade jetzt, in der öffentlichen Diskussion zu diesem Thema, muss man auch mal klar Stellung beziehen und das mache ich hiermit. Ich bin ein Sexist. Wenn ich eine Frau sehe, schaue ich mir als erstes ihr Gesicht an, dann auf ihren Busen, auf den Arsch und zum Schluss auf die Füße. Dann entscheide ich, ob mir diese Frau gefällt oder nicht. Diese Vorgehensweise macht mich einwandfrei zu einem Sexisten, weil ich, ohne ein Wort mit dieser Frau gewechselt zu haben, mein Interesse ausschließlich an ihrem Aussehen festmache. Gefällt mir die Frau nicht, verliere ich meistens das Interesse und spreche sie gar nicht erst an.

Der STERN ist an allem Schuld

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(c) STERN

Ausgerechnte der STERN, also mehr ehrlich, bringt eine Debatte über Sexismus in Gang, ausgelöst durch einen Artikel von Laura Himmelreich, die sich anscheinend ziemlich angeekelt fühlte, von einem alten Herrn wie Herrn Brüderle Komplimente zu bekommen. Im Laufe des Gesprächs küsst er ihre Hand, wie furchtbar. Ich zitiere:

"Mit Frauen in ihrem Alter kenne ich mich aus."
"In München sind Frauen aber trinkfest."
"Sie könnten auch ein Dirndl ausfüllen."
"Politiker verfallen doch alle Journalistinnen."
"Am Ende sind wir alle nur Menschen."

Ich küsse jeden Samstag auf Partys einigen Frauen nicht nur die Hand und meine Sprüche sind absolut eindeutiger, wenn ich merke, dass mein weibliches Gegenüber mit mir flirtet. Da gehts dann schon mal richtig zur Sache, wenn ich absolut eindeutige Bemerkungen mache. Mir wurde in 25 Jahren noch niemals der Vorwurf gemacht, dass ich sexistisch seih. Nicht einmal. Eindeutig, ja, aber was genau ist denn sexistisch?

Die BILD schreibt, dass Frau Himmelreich in einem STERN-Artikel Ilse Aigner als "dirndltauglich" beschrieben hatte:

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(c) BILD / STERN

Das sagt Wikipedia dazu

"Unter Sexismus versteht man die soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen. Der Sexismus unterteilt alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer, unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit und weist ihnen auf dieser Basis unterschiedliche Rechte und Pflichten zu."

Opfer von Sexismus

Also ist der Sexismus zunächst einmal etwas ganz Normales. Doch wenn Frauen dieses Wort benutzen (übrigens können Frauen auch sexistisch sein), dann ist das etwas ganz anderes. Der FOCUS startete eine Umfrage und 80% der Befragten finden diese Diskussion nun wichtig. Hannelore Kraft von der SPD sagt in diesem Artikel, selbst "Opfer von Sexismus" zu sein, ohne aber näher darauf einzugehen, was denn genau dazu führte und wie das geschah.

Umgangssprachlich sind "Opfer von Sexismus" Frauen (und auch Männer, wenn auch seltener), die durch verbale, meist sexuelle Äußerungen auf ihr Geschlecht reduziert werden. Wenn ich also zu einer Frau sage: "Mit dir könnte ich mir auch ein horizontales Gespräch" vorstellen, dann wird sie durch meine Worte ein "Opfer von Sexismus". Oder durch den berühmten Satz: "Leg dich hin, ich muss mal mit dir reden!"

Keine Kontaktaufnahme ohne Sexismus

Wenn man es sich recht überlegt, dann geht ohne Sexismus gar nichts. Eine Gesellschaft kann ohne nicht leben. Sobald ich mich an eine Frau ranmache, packe ich den Sexismus aus, wie soll das anders gehen? Wenn ich ihr Komplimente mache, werde ich sexistisch. Wenn ich eindeutige Bemerkungen mache, werde ich sexistisch. Wenn ich ihr nach einer durchgemachten Nacht Komplimente mache, was für eine unfassbare geile Maus sie in der Kiste ist (wenn es denn so war), dann bin ich auch sexistisch. Es liegt nur im Empfinden der Frau, ob diese das nun als sexistisch ansieht, oder nicht.

Auf das Geschlecht reduziert

Also jetzt mal unter uns Gebetsbrüdern: Männer sind allesamt, komplett und zu 100% sexistisch. Wen interessiert bei der ersten Kontaktaufnahme, ob eine Frau einen Doktortitel hat? Niemanden. Wenn sie einen IQ von 178 hat, im Bett aber eine Niete ist, dann muss sie lange suchen, bis sie einen Kerl findet, der "sie so nimmt wie sie ist". So, das war jetzt zum Abschluss eine richtige Sexismuskeule! Kommt ich jetzt auch in den STERN?

Sexismus oder sexuelle Belästigung

Das darf nicht verwechselt werden und darum geht die Diskussion auch nicht. Die Grenze zwischen Sexismus und sexueller Belästigung ist sicher fließend, denn sie ist rein subjektiv. Hier muss auch klar zwischen "verbal" und "tätlich" unterschieden werden. Fasse ich eine Frau tätlich an, hat dies nichts mehr mit Sexismus zu tun. Sage ich zu einer Frau: "Ich will mit dir doch gar nicht reden, lass uns lieber ficken" können verschiedene Dinge geschehen: (1) Sie nennt mich einen elendigen Sexisten, scheuert mir eine und geht. (2) Sie fühlt sich sexuell belästigt und zeigt mich an. (3) Sie wird geil und kommt mit oder (4) sie lacht mich aus und geht mit jemand anderem mit. Die Frau selbst entscheidet also, wie sie weiter reagieren wird.

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