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Traumberuf Hochzeits-DJ

Wie alles begann

1985, an einem Samstag. Ich sitze schon gegen 20:30 Uhr an der Bar einer Diskothek, der DJ ist noch nicht da. Da ich mich jeden Samstag dort aufhalte, bin ich der Belegschaft gut bekannt. Hinter der Bar kam der Chef auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, die Musik zu übernehmen. Warum er ausgerechnet mich fragte? Ich war der einzige Gast! Ich habe gar nicht lange überlegt und sagte ja. Die Disco hatte eine gute, ausreichende Plattensammlung und ich legte los. Noch am gleichen Abend wurde der Stamm-DJ gefeuert und ich hatte den Job als Samstags-DJ. Auf den Flyern stand von nun an der Name: "DJ Hadley".

Die Ausbildung in einem Tanzcafe

Anfang der 90er-Jahre wechselte ich in das Tanzcafé "Baccara" und musste mich erstmal komplett umstellen. Den Unterschied zwischen einer Diskothek und einem Tanzcafé lässt sich mit wenigen Worten nicht erklären, denn in einem Tanzcafé wird von einem guten DJ wesentlich mehr erwartet, als in einer Diskothek, wo es vollkommen reicht wenn der DJ da ist und die Musik dröhnt. Ein Tanzcafé-DJ hält engen Kontakt zu den Besuchern, er ist (in den meisten Tanzcafés) auch nicht abgeschottet, sondern bequem für ein Gespräch erreichbar. Die Musik ist bei weitem nicht so laut wie in einer Diskothek und es wird überwiegend deutscher und englischer Fox gespielt.

Reicht es in einer Diskothek den ganzen Abend Vollgas zu geben, muss der DJ in einem Tanzcafé wesentlich differenzierter vorgehen, denn die Besucher wollen unterhalten werden. Dies geschieht nicht nur durch wechselnde Musikrichtungen, sondern durchaus auch durch unterhaltsame Unterbrechungen durch den DJ selbst. Zudem sollte der Tanzcafé-DJ alle zwei bis drei Lieder das Mikrofon in die Hand nehmen und den Tanz damit "unterbrechen". Dies geschieht aus dem Grund, dass die Paare auf der Tanzfläche die Chance bekommen, die Tanzfläche zu verlassen und an den Tisch zurückzukehren. Da dies nicht während eines Liedes geschehen sollte, unterbricht der DJ, spricht etwas und beobachtet dabei die Tanzfläche.

Von besonderer Wichtigkeit ist es in einem Tanzcafé, sich die Wünsche der  Stammbesucher zu merken. Meistens wünschen die sich immer die gleichen Lieder und nach zwei, drei Mal sollte der DJ dies aus dem Gedächtnis abrufen können und diese Lieder spielen, wenn sich die Stammbesucher entweder auf der Tanzfläche befinden, oder um diese Besucher auf die Tanzfläche zu bekommen.

Diese "Ausbildung" dauerte bei mir fast 10 Jahre und kommt mir heute immens zu Gute.

Hochzeits-DJ's sind die Besten

Das stammt nicht von mir, sondern von einem DJ, der diesen Job seit 40 Jahren macht und den ich zufällig getroffen und mit ihm gesprochen habe. Und er hat da auch nicht ganz unrecht. Durch meine Ausbildung und lange Arbeit in einem Tanzcafé bin ich als DJ für Hochzeiten, Geburtstage und private Feiern geradezu prädestiniert. Alles, was ich dort gelernt habe, kann ich auf diesen Feiern anwenden. Alleine durch die Tatsache, dass in einem Tanzcafé so viele verschiedene Musikstile gespielt werden, haben DJs aus diesem Bereich einfach die bessere "Bibliothek im Kopf".

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein DJ, der seit 10 Jahren in einer Diskothek House, HipHop und Dance auflegt, mit den Wünschen einer Hochzeitsgesellschaft klarkomme. Falls er überhaupt Musik von den Flippers oder Helene Fischer hat!

Seit 2003 bin ich nun als freier DJ für private Feiern unterwegs und habe durchweg positive Erfahrung damit gemacht. Sicher, wenn man mehr als 500 Partys begleitet hat, gibt es den einen oder anderen Ausreißer. Einmal wurden mir von einem erbosten Opa ein Lautsprecherkabel durchgeschnitten, eine Brautmutter beschimpfte mich, weil ich nicht genug Helene Fischer gespielt habe (das war eine türkische Hochzeit) und einmal wurde ich sogar nach einem Sportfest hinterm Zelt mit vorgehaltener Pistole von drei mutigen Jugendlichen überfallen. Aber denen konnte ich schnell klarmachen, dass sie sich mit ihrer Softair sonst wohin scheren sollen. Was sie dann auch gemacht haben.

Ich hoffe, dass ich diesen Job noch viele, viele Jahre machen kann. Der DJ, von dem ich sprach, war 66 und wenn ich das Netz so durchsuche, gibt es viele DJ's jenseits der 60 Jahre. Dann hab' ich ja noch etwas Zeit.

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