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Burgfestspiele Jagsthausen: Amadeus plätscherte so dahin

Amadeus
Foto: Burgfestspiele

Professionelle Schauspieler agieren wie Amateure

Nein, das war nicht das, was ich mir beim diesjährigen Amadeus erhofft, und durch die Info, dass dort professionelle Schauspieler am Werk sind, auch erwartet hatte. Hatte man es sich auf seinem Sitz gemütlich gemacht, so weit dies auf einem viel zu schmalen, kalten Plastiksitz möglich ist, blickte man auf ein Bühnenbild, welches keines war. Ein moderner Billardtisch, ein Sarg und sichtbare Stühle an einer hinteren Mauer, aufgereiht, als ob jemand vergessen hätte, sie dort wegzuräumen.

Im nicht ganz ausverkauften Burghof begann um 20:30 Uhr ein Amadeus, der mich 2 Stunden und 30 Minuten - ohne Pause - mehr langweilte als fesselte und mehr Fragen aufwarf als beantwortete. Dies ist nicht mein erstes Theaterstück und ich habe jetzt nicht die große Erfahrung, aber auch als Laie möchte ich auch unterhalten, amüsiert, vielleicht erstaunt und verblüfft werden, doch leider wartete ich, bis auf wenige Sekunde der Ausnahme, vergebens darauf.

Die Leistung der Schauspieler

Der erste Aha-Effekt, als Venticelli, gespielt von Sascha Littig und Dani Glazer, Gerüchte verbreitend über die Bühne tänzelte, um dann, ausgestattet mit Rollen in den Schuhen, von der Bühne zu gleiten. Leider wurde dieser Effekt dann doch recht schnell abgenutzt, was aber die Leistung der beiden Schauspieler in keiner Weise schmälern soll. Für mich waren die Venticelli eindeutig das herausragende Highlight der ganzen Inszenierung. Sie spielten auf den Punkt, sprachen immer sehr verständlich und bildeten so eine willkommene Unterbrechung in der doch eher träge wirkenden Spielweise der weiteren Schauspieler.

Amadeus, gespielt von Matthias Zera, hinterlässt bei mir eher zwiespältige Gefühle. Das infantile Rumgehüpfe eines kindisch-jugendlichen Mozarts ging mir nach einer Weile auf den Zeiger, es wirkte einfach zu aufgesetzt und gekünstelt. In den Szenen jedoch, in denen Amadeus wütete oder aufgebracht war, glänzte er und zeigte wahre Spielfreude. Waren seine Frau oder andere Schauspieler auf der Bühne, spielte er sich wieder im unteren Mittelmaß durch seine Szenen. Wirklich wenige Höhepunkte machen aus dem Gesamtspiel dann aber auch keine gute Leistung mehr.

Julia Baukus - ein Augen- und Ohrenschmaus - spielte alle anderen Schauspieler vollkommen an die Wand. Sie war authentisch, aufrichtig und wusste in jeder Situation, was sie tat. Ich kannte diese Schauspielerin bis dato nicht einmal und habe sie gleich am Abend nochgegoogelt. Es war eine Freunde ihr zuzuschauen, auch wenn ich in manchen Szenen gerne etwas mehr Obszönität gewünscht hätte, das Zeitalter hätte ein solches Verhalten sicher gerechtfertigt. Um es mit den Worten eines Freundes auszudrücken, der mich zu dem Abend eingeladen hatte: "Das Publikum hätte sicher mehr vertragen als eine nackte Schulter und ein schüchtern freigelegtes Bein!"

Die Hauptrolle, ja, was soll man dazu sagen. Sicher, Ulrich Bähnk, der es sogar schon zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft hat, spielte den Salieri ohne große Fehler und Patzer, doch das war's dann aber auch schon. Die langen Passagen, in denen er zum Publikum sprach, wirkten ab etwa der Hälfte des Stückes eher ermüdend, wenn auch versucht wurde, mit witzig anmutenden Texten eine Verbindung zum Publikum aufzubauen, was den einen oder anderen Lacher hervorbrachte. Im Endeffekt aber zu wenige und ich war eher froh, wenn er verstummte und das Stück weiterlief.

Auftritt der Statisten, meiner Meinung nach ein wichtiger Bestandteil in einer solchen Inszenierung, doch das ging gründlich in die Hose. An drei Stellen im Stück wird eine Oper simuliert, die Statististen betreten in wundervollen Kostümen als Publikum die Bühne, die Oper beginnt durch das Einspielen von Musik und 90% erstarren zur Salzsäule! Meine Güte, schon im 16. Jahrhundert ging in der Oper die Hölle los, da wurde gelacht, geredet, gegessen und getrunken, da blieb niemand still auf den Stühlen sitzen! Das war zur Zeit Mozarts sicher nicht anders. Bei der "Zauberflöte" dann, einem Stück aus dem Volkstheater, die Statisten als Publikum in einfachen Kleidern und Lumpen, doch - oh weh - wieder das gleiche Trauerspiel! Statische Statisten mit unbeglichen Mienen mimten einfache Bauern und Handwerker, die sich ein Lustspiel anschauen! Also mal ehrlich, noch unglaubwürdiger geht's nicht mehr!

Technik und Licht

Was die Technik und den Ablauf angeht, gibt es ebenfalls viel zu meckern, denn ich fand es stellenweise unausgegoren und nicht durchdacht. Wenn Selieri redet, betreten Pagen die Bühne, in schicken Roben, und bauen das ohnehin minimalistisch und schlicht gehaltene Bühnenbild um. Ihre Schuhe klappern so laut auf den Holzdielen der Bühne, dass man Ulrich Bänkh, oder Mozart und seine Frau, kaum noch versteht. Das Piano stand viel zu weit vorne, die Zuschauer in den oberen Rängen haben es nicht einmal gesehen, und als sich Mozart darunter verkroch, sah man viel Publikum mit gereckten Hälsen, die versuchten, die Szene zu überblicken.

Als Mozart einen Billardqueue zerschlug und damit herumfuchtelte, wurde es mir Angst und Bange. Wenn Constanze, warum auch immer, während der anschließenden Szene auf der Bühne stürzt (sage niemals so etwas passiert nicht), würde er sie mit dem spitzen Ende des Queue glatt aufspießen. Wie kann man so etwas verantworten!  Mir blieb fast das Herz stehen!

Gegen Ende des Stückes, Mozart liegt auf dem Boden, Federkiel, Tintenfass und Papier bei sich. Er verkriecht sich unter das Piano, Constanze kommt herein, sieht ihn, kniet sich auf den Boden, robbt zu ihm herüber und wirft dabei mit lautem Getöse das - leere - Tintenfass um! Sicher nur eine Kleinigkeit, aber mir ist es aufgefallen!

Das Licht - was soll ich sagen - das Licht war eine glatte Katastrophe. Unmöglich. Wer war denn da für die Lichtregie verantwortlich? Einer der Pagen? Mit Licht kann man so viel machen, man kann Stimmungen hervorrufen, das komplette Bühnenbild verändern, doch nichts dergleichen geschah. Es war ein glattes Desaster. Note 6. Setzen.

Die eingespielten Samples von Musik und Glocken hatten unterschiedliche Qualitäten, was den Sound anging und auch den Bühnentechniker sollte man noch einmal anleiten, dass er die Soundstellung immer vorher auf die nächste Szene einstellt und nicht erst dann, wenn es zu spät ist.

Mein Fazit

Brauche ich nicht noch mal anschauen, einmal reicht. Nach etwa zwei Stunden wünscht man sich, auch aufgrund des wirklich ungemütlichen Sitzplatzes, eine Pause. Ich wäre vermutlich in der Pause nach Hause gefahren.

Was ich nicht verstanden habe: Das Publikum klatschte sich nach Ende des Stückes teilweise "in Rage" und bot "standing ovations". Das war mir völlig unverständlich. Es kann natürlich auch sein, das die nicht mehr sitzen konnten. Während des Stückes nämlich war keinerlei Szenenapplaus zu hören. In fast drei Stunden nicht einmal. Die "Leistung" des Ensembles rechtfertigte auf keinen Fall die große Ehre eines stehend applaudierenden Publikums.

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