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Rezension: "Schweinekrieg" von Guido Seyerle

Nach 60 Seiten habe ich genug gelesen, das ist ja nicht zu ertragen. Ich habe genug vom detaillierten Beschreiben des Journalistenalltags, ich habe genug vom Schwäbisch-Haller-Landschwein (SHL) und ich habe genug von unglücklich-umständlichen Satzgebilden und wirklich an den Haaren herbeigezogenen Umschreibungen. Dieser "Krimi" ist so einfach nicht lesbar, ich frage mich wirklich, ob die Lektorin des Gmeiner-Verlags, die im Buch sogar lobend hervorgehoben wird, entweder einen schlechten Tag hatte oder nicht verstanden hat, um was es in ihrem Beruf geht. Wäre ich Lektor, ich hätte dieses Buch niemals in dieser Form freigegeben.

Es geht hier auch gar nicht um die Idee, einen lokal-hohenlohischen Krimi um das "Schwäbisch-Haller-Landschwein" in der Luft zu zerreißen, denn das hätte man sicher besser machen können, es geht um den Schreibstil, den der Autor Guido Seyerle, seines Zeichen Journalist einer Tageszeitung, hier an den Tag legt. Das geht so einfach nicht.

Ich will Ihnen dazu gerne auch ein paar Beispiele geben, soweit es das deutsche Zitaterecht erlaubt und ich nicht wegen Urheberrechtsverletzung abgemahnt werde:

Chris Schranz [...] suchte mit einem Auge auf der linkten Seite den Gasthof Sonne, wo bereits in wenigen Minuten ein Treffen von Schweinezüchtern aus der ganzen Region stattfinden sollte.

Schranz wendete seinen roten Golf älteren Datums und fand schnell einen freien Platz auf dem großen, asphaltierten Parkplatz des Gasthofes.

Ich frage mich, was Schranz mit dem anderen Auge gemacht hat? Und ein "Golf älteren Datums", was soll das sein? Ist es wichtig, dass der Parklpatz des Gasthauses asphaltiert ist? Und warum sollte er auf dem "großen" Platz nichts mehr zum Parken finden?

Die ältere Bedienung passte hervorragend zu dieser Umgebung, wo viel dunkles Holz dominierte und wenig Licht einfiel.

Lass das mal nicht die Bedienung lesen, die haut dem was auf den Kopf. Diese Aussage ist bescheuert, mal ganz ehrlich gesprochen, einfach nur doof.

Der Journalist wusste, dass die Familie von einem alten Rittergeschlecht abstammte. [...]  Auch wenn nichts an der Chefin an Ritter erinnerte?

Das muss man nicht kommentieren, sonst wiederhole ich mich zu oft. Die nächsten Abschnitte lasse ich unkommentiert, bilden Sie sich doch eimfach eine eigene Meinung:

Bauer stand ungefähr einen Meter vom Tisch entfernt [...] Dabei legte er das Gewicht seines Körpers auf beide Füße gleichzeitig, er war ein Bild von einem Mann.

Schranz vermutete, dass er [Heinrich Bauer] den ältesten Hof in der Umgebung sein Eigentum nannen. Oder war sein Vater notariell noch Herr auf dem Hof?

... die Gesichter schienen verschlossen und in sich gekehrt

Bisher war er wie ein Löwe von einer Ecke des Stammtisches zur anderen Ecke gelaufen....

... von idyllischer Landwirtschaft und auf dem Feld arbeitenden Männern mit Strohhut war überhaupt nichts mehr zu spüren.

Auf Seite 25 beschreibt der Autor, dass sich sein Protagonist einen Anrufbeantworter angeschafft hatte und Heinrich Bauer dort draufsprach:

Bauer hatte viel zu früh zu sprechen begonnen und seine Worte in der Geschwindigkeit von Gewehrsalven abgefeuert

Da sind ganze Passagen, die einfach unsinnig sind. Schranz geht mit einer Freundin ins Theater. Einer der Schauspielerinnen hat es im angetan:

... ihre Augen glänzten, was entweder an den Bühnenscheinwerfern lag, oder an dem vierten Bier, dass er vor sich stehen hatte.

Später traf er die Schauspielerin im Flur, die in um eine Kopie des Artikels bat (er war dienstlich dort) und auch der Theaterchef hatte in bei seiner Begrüßung im Saal um einen "freundlichen Artikel" gebeten.

Und nun wusste der ganze Saal, dass Schranz nun am Zug war, diesen Abend in positiver Weise in der HV (Hohenloher Volkszeitung) darzustellen.

Ich selbst hab einen Journalisten im Bekanntenkreis. Wenn dem ein Stück nicht gefällt, dann schreibt er das auch so.

Mein Fazit

Das zieht sich so durch die ersten 60 Seiten, das macht einfach keinen Spaß. Spätestens, als der Autor den Heinrich Bauer "Patrone" nennt und die Bauern aus der Umgebung sich dem anschließen, wird es einfach nur lächerlich. Einen Absatz will ich Ihnen aber noch mitgeben:

Erst jetzt bemerkte er Neumanns Ehefrau, die in der Küche stand und irgendwelche Sachen sortierte. Sie wirkte sehr in sich gekehrt, die Bedrohung greifbar nage und fast körperlich spürbar.

Soso. Für mich ist auch etwas körperlich Spürbar. Nämlich die Abneigung gegen dieses Buch, den verwendeten Schreibstil, die unglücklichen Formulierungen, den ständig beschriebenen Alltag eines Redakteurs und ich kann das Wort "Schwäbisch-Haller Landschwein" nicht mehr hören. Ich kauf mir davon jetzt ein Stück beim Metzger meines Vertrauens und esse es einfach auf.

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