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Abmahnung als Geburtstagsgeschenk

So fängt der Tag ja gut an. Ein Anwalt aus München meint, ich müsse dem Fotografen, den er vertritt 500 Euro fiktive Lizenzgebühren und ihm selbst nochmal 546,50 Euro an Anwaltskosten bezahlen. Was war passiert? Ich habe auf dieser Webseite ein Bild aus Wikipedia verwendet, dabei allerdings die Regeln nicht beachtet, weil ich die einfach nicht geblickt habe. Ich habe also einen Fehler gemacht, den ich sogar einräume. Dieser Fehler soll mich nun, ausgerechnet an meinem 50. Geburtstag, über 1.000 Euro kosten. Dabei handelte es sich um ein Bild von Pierre Sanoussi-Bliss.

Ich habe das Bild auf meinen Server kopiert (vervielfältigt), es auf meiner Webseite gezeigt (öffentlich zugänglich gemacht) und einen falschen Urheber benannt (unterbliebene Urheberbenennung). All dies nur, weil ich dachte, dies hier wäre mit dem Bild erlaubt, weil das hier steht:

usethis

Use this file on web, also darf ich das doch verwenden? Eben nicht! Auf die Idee, da drauf zu klicken, bin ich nicht mal gekommen. Denn erst dann sieht man, wie man die Datei verwenden darf und das wusste ich nicht.

Übrigens ist die Datei gerade mal 500x700 Pixel groß und durch meine Verwendung sollen dem Fotografen eben Lizenzgebühren von 500 Euro entgangen sein.

Der Streitwert

Das ist eigentlich das Einzige, was mich an der Sache ärgert, der Streitwert. Dieser wird einfach willkürlich auf 9.000 Euro festgelegt, dieses Bild ist also 9.000 Euro wert? Wer bestimmt diesen Wert und wer kontrolliert diese Angaben? 2013 hat der Bundestag einen erstmaligen Streitwert von 1.000 Euro festgelegt für einen Urheberrechtsverstoß, wenn es sich bei der Webseite um eine private Seite handelt? Meine Webseite ist eine private Webseite!

Ich zitiere mal den neuen Paragrafen 97a im Wortlaut:

 

[…] Für die Inanspruchnahme anwaltlicher Dienstleistungen beschränkt sich der Ersatz der erforderlichen Aufwendungen hinsichtlich der gesetzlichen Gebühren auf Gebühren nach einem Gegenstandswert für den Unterlassungs- und Beseitigungsanspruch von 1 000 EUR, wenn der Abgemahnte
1. eine natürliche Person ist, die nach diesem Gesetz geschützte Werke oder andere nach diesem Gesetz geschützte Schutzgegenstände nicht für ihre gewerbliche oder selbständige berufliche Tätigkeit verwendet, und
2. nicht bereits wegen eines Anspruchs des Abmahnenden durch Vertrag, aufgrund einer rechtskräftigen gerichtlichen Entscheidung oder einer einstweiligen Verfügung zur Unterlassung verpflichtet ist.
Der in Satz 2 genannte Wert ist auch maßgeblich, wenn ein Unterlassungs- und ein Beseitigungsanspruch nebeneinander geltend gemacht werden. Satz 2 gilt nicht, wenn der genannte Wert nach den besonderen Umständen des Einzelfalles unbillig ist.

Nachtrag

Laut Aussage des Anwaltes gilt meine Homepage als gewerblich, da ich auf ein Shopsystem verlinke, um meine Bücher und CDs zu verkaufen. Ob ich etwas damit verdiene (nämlich gar nichts), spielt dabei überhaupt keine Rolle! Er hat aber nun die Abmahnkosten halbiert und ich werde auf das Angebot eingehen.

 
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