Skip to content

Ich bin ein Heimkind, na und?

Aus aktuellem Anlass, weil ein bösartiger, verbitterter, vom Neid und Missgunst zerfressener Volker Bellendorf meint, sich jetzt auch noch Heimkinder vornehmen zu müssen und sich erdreistet, ein Urteil über mich fällen zu müssen. Er hat schlicht keine Ahnung, was uns Heimkinder umtreibt und ich spreche ihm jedwedes Recht ab, über uns zu urteilen.
 
Ich bin die ersten sieben Jahre meines Lebens in einem Kinderheim in Köln misshandelt und gefoltert und danach sieben Jahre lang von meinen eigenen Stiefbrüdern, immer wenn ich mal wieder mehrere Wochen oder Monate zu Hause war, sexuell missbraucht worden. Insgesamt habe ich fast 20 Jahre meiner Kindheit und Jugend in Heimen verbracht (sieben Jahre in Köln, acht Jahre in Rickenbach und vier Jahre in Sinsheim). Und ja, 99% früherer Heimkinder, so auch ich, tragen schwere seelische Schäden davon, die man, auch mit langjähriger Therapie, nicht mehr los wird. Ich habe immer noch Albträume von den systematischen Schlägen, von den Stunden eingesperrt in einer winzigen Besenkammer ohne Licht, von stundenlangem Stehen in der Ecke. Ich wurde als Kleinkind mit dem Kopf unter Wasser gedrückt, bis ich ohnmächtig wurde. Für jedwedes kleinstes Vergehen gab es Schläge. Auch zu Hause hatte ich keine Ruhe, meine Mutter war der Teufel persönlich und meine Stiefbrüder haben die Würfel entscheiden lassen, wer entweder mich oder meinen kleinen Bruder missbraucht.
 
Seelische Folgeschäden
 
Von all diesen Jahren habe ich einen fetten Knacks weg, den ich fast 10 Jahre in Wut und als Gewalttäter und danach durch Kreativität, Freude am Leben, viel Arbeit und jahrelanger Therapie verarbeitet habe. Meine Talente und meine Intelligenz , für die ich mich weder schämen noch vor jemandem verstecken muss, haben mir das Leben gerettet.
 
Ich bin, was 20 Jahre Kinderheim aus mir gemacht haben und mit mir selbst im Reinen. Meine narzistische Perönlichkeitsstörung macht mich zu einem guten Entertainer und Unterhalter,meine autodidaktischen Fähigkeiten zu einem guten Autor. Wenn man seine Krankheit, und nichts anderes ist das, in die richtige Bahnen lenkt, kann man wunderbar damit leben.
 
Meine PTBS allerdings manifestiert sich bei mir in einer chronischen Panalgesie (einem Ganzkörperschmerz) der mein Leben sehr beeinträchtigt. Wenn das jemand interessiert, ich hab ein Video davon auf meinem Kanal und spreche das auch in diversen Videos an. Kurz erklärt bedeutet das nichts anderes als das mein Unterbewusstsein die Schmerzen, die ich die ersten 14 Jahre meines Lebens verdrängt habe, jetzt rauslässt.
 
Auch Heimkinder können was erreichen!
 
Da braucht mir so ein dahergelaufer Möchtegernpsychologe nicht erzählen, was seiner Meinung nach Sache ist. Ich bin verdammt stolz auf das, was ich als Heimkind erreicht habe. 95% meiner letzten Heimkollegen sind entweder drogen- oder alkoholabhängig, im Knast oder auf der Straße, bekommen Harz4 oder sind tot. Familie haben die alle nicht und wenn jemand davon verheiratet war, hat das nicht lange gehalten.
Ich verdiene meinen Lebensunterhalt selbst, habe viele Projekte verwirklichen können,habe einen großen Freundeskreis, bin seit 19 Jahren verheiratet und habe zwei Kinder, die ihren Vater lieben. Und ich bin schuldenfrei und war seit 30 Jahren nicht mehr straffällig.
 
Sorry, aber das musste jetzt echt raus, ich wäre sonst geplatzt. Auf einen Menschen einzuschlagen, weil er im Heim war, ist wirklich das Allerletzte. Und dann auch noch Torgau! Gegen dieses Heim war meine Heimkarriere ein Spaziergang.
 
Das “Heimkind-Syndrom”
 
Viele Heimkinder fühlen sich im Knast (so war das auch bei mir) richtig wohl! Man hat geregelte Zeiten, drei Mahlzeiten am Tag und bekommt vom Wachpersonal gesagt, was man zu tun oder zu lassen hat. Knast ist wie Kinderheim, nur ohne Freigang. Bundeswehr ist übrigens auch wie Kinderheim, nur mit Knarren. Wenn man sich im Knast dann auch noch zu wehren weiß (oder weiß, welcher Gruppe man sich anschließen muss), hat man sogar vor den Häftlingen seine Ruhe.
 
Vor ein paar Jahren war ich mit meinem Kindern im Schwarzwald und habe dort in einer Jugendherberge übernachten. Schon als ich das Haus betrat, geschah etwas mit mir, was ich das „Heimkind-Syndrom“ nenne: Ich fühlte mich wohl und geborgen, konnte das aber nicht wirklich erklären. Erst als wir uns er Zimmer bezogen und ich das Badezimmer sah, ahnte ich es und ging nochmal zur Pforte um den Besitzer etwas zu fragen. Und ich hatte die richtige Ahnung! Die Jugendherberge war ein ehemaliges Kinderheim! Ich habe das sofort gespürt, da war ich noch keine 10 Sekunden in diesem Haus. Beim Bad in meinem Zimmer kam es dann wie ein Schlag in den Nacken. Die Badewanne, die Kacheln, die Fenster, die Armaturen, alles schrie mich förmlich an: "WILLKOMMEN ZUHAUSE!".
 
Erfolgreiche Verdrängung
 
Ich muss dazu noch etwas erklären. Die Vorgänge im Elisabeth-Breuer-Stift in Köln (da war ich von Geburt bis zu meinem 7. Lebensjahr, dann war ich zwei Jahre „zu Hause“) hatte ich, als ich mit 9 Jahren in das Kinderheim Rickenbach kam, längst verdrängt und tief in den untersten Kellerraum meines Gedächtnispalastes geschoben. In Rickenbach war ich angekommen, weil auch seit 1974/75 Kinder per Gesetz nicht mehr geschlagen werden dürften. Das ist zwar nicht bei allen Schwestern durchgedrungen (vor allem die Nachtschwester war sehr rabiat, weil viele von uns Bettnässer waren), aber meine Gruppenschwester hat mich, bis auf einmal aus dem Affekt heraus, nie geschlagen. Ich fühlte mich in Rickenbach wohl und geborgen, deswegen sehe ich dieses Heim als mein „zu Hause“ an. Als ich 12 war weigerte ich mich auch, wieder nach Hause zu gehen und berichtete das erste Mal dem Jugendamt vom sexuellen Missbrauch dort. Zum Glück glaubte mir mein Betreuer, auch weil mein kleiner Bruder die gleichen Aussagen machte und wir dürften von da an in Rickenbach bleiben.
 
Dieses Heimatgefühl, das ich habe, wenn ich an Rickenbach denke, hat jahrzehntelang die Vorkommnisse in Köln verdrängt. Was in den ersten sieben Jahren meines Lebens passiert ist, weiß ich erst seit ich etwa 40 bin und meine Schmerzen begonnen haben. Da habe ich zum ersten Mal meine Stiefschwester, die im gleichen Heim war, nach meinen Alpträumen gefragt und im Internet nach weiteren Menschen gesucht, die auch dort waren. Da tat sich die Hölle auf, das kann niemand verstehen, der nicht dort war! Unter begleiteter Hypnose habe ich Dinge gesehen die man mit mir gemacht hat (mit einem Kleinkind!), die so unfassbar grausam sind, das ich Jahre gebraucht habe, um das auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Verstehen kann ich das bis heute nicht. Auch die Nonnen, die mir das angetan haben (und die wenigen, die noch leben), sahen sich keiner Schuld bewusst. Trotzt mehrfacher Schreiben an das Kloster auf der Inseln Nonnenwerth habe ich bis heute weder eine Entschuldigung, noch eine Antwort bekommen.
 
Geld gegen Schmerzen und Alpträume
 
Da halfen auch die menschenverachtenden 10.000 Euro aus dem „Fonds Heimerziehung“ nicht wirklich. Ich habe bei dem Gespräch in Stuttgart meine Biographie auf den Tisch gelegt und die Sachbearbeiterin meinte, diese habe sie bereits gelesen, weil ich einer der wenigen Menschen bin, die es so weit geschafft habe, wo ich heute bin.
Aber interessiert das jemanden, wenn man darüber öffentlich sprechen möchte? Nein! Niemand will sich mit der katholischen Kirche anlegen, ich habe fast 100 Anfragen an alle Magazine und TV-Sendungen in Deutschland verschickt! Der Gipfel des Hohns war die Antwort vom Sender SAT1: "Wenn Sie das schon so toll verarbeitet haben, dann besteht ja kein Gesprächsbedarf mehr!" Das muss man sich mal geben. Ich wollte mit meiner Geschichte den Hunderttausenden von Heimkindern in Deutschland Mut machen und zeigen: Sehr her! Ihr könnt‘ das schaffen!
 
Ach ja, und ehe ich es vergesse
 
Das ich heute so offen über die erste Hälfte meines Lebens schreiben kann verdanke ich der ausgezeichneten Arbeit meiner Therapeutin. Ich hatte das unfassbare Glück, das sie aus Hamburg hierher gezogen ist. Warum Glück? Sie hat in Hamburg 30 Jahre lang sexuell missbrauchte Kinder betreut. Und in den letzten fünf Jahren hat sie an mir wahre Wunder vollbracht.
Kommentare spiegeln nicht die Meinung des Webseitenbetreibers dar, sondern die Meinung des Schreibers. Sollte einer der Kommentare Ihre Rechte verletzen, genügt eine Email an mich, ich werde den Kommentar dann zeitnah löschen! Es ist nicht nötig, mir einen Anwalt auf den Hals zu hetzen!

2354 Klicks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Formular-Optionen

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!