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Hadley und das Supertalent

Einige von den treuen Lesern wissen es: Ich habe mich dieses Jahr zum zweiten Mal bei "Das Supertalent" beworben. Dazu bin ich nach Frankfurt ins Casting gefahren. Einige Leutchen, die dort auch beim Casting waren sind die letzten beiden Mal in der Show gewesen und nächsten Samstag kommt noch dieser bescheuerte Bäckermeister, der sich bereits 2008 mit seinem Gitarrengeklimper und "Ich kann mit einer Bierflasche auf dem Kopf tanzen"-Nummer bis auf die Knochen blamiert hat.

In Frankfurt waren wirklich tolle Sänger, das muss man einfach neidlos anerkennen. Wir waren dort, bei Regen, in einem Zelt untergebracht und haben uns gegenseitig mit Gitarrespielen und Singen unterhalten. Ich selbst habe drei, vier Lieder zum Besten gegeben und, es war wirklich so, wurde teils frenetisch bejubelt. Zudem habe ich das komplette Zelt, da waren vielleicht 100 Leute drin, mit meiner guten Laune unterhalten und, natürlich, versucht die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Was mir, vielleicht bestätigt das ja mal jemand der auch dort war, durchaus gelungen ist.

Aber genutzt hat das alles nichts. Ich spielte in dem Castingraum vor einem Redakteur, diesmal sogar ohne Kamera (beim ersten Casting 2008 lief noch eine Kamera mit), ich machte keien Fehler, gab alles, meinen Möglichkeiten entsprechend. Dem Redakteur gefiel es (ich merke, wenn mich jemand anlügt), aber ihm fehlte etwas. Er fragte, ob meine Kinder singen können, was ich verneinte. Er müsse mit mir Vorlieb nehmen. Das reichte ihm nicht. Mein Gesang sei wirklich gut, Gitarre klinge auch gut, aber da fehlte halt etwas, was mich ins Fernsehen bringen könnte.

Als ich dann ins Zelt zurückging wusste ich es: Das wird nie was. Und so war es dann auch, ich wurde nicht genommen.

Jetzt, wenn ich mir die zwei Shows nochmal vor Augen führe, dann wundere ich mich aber auch nicht mehr. Wie sich Menschen so zum Affen machen können, das ist mir ein völliges Rätsel. Die sind z.T. so blöde, die merken das selber nicht mehr. Eigentlich bin ich froh, dort nicht aufgetreten zu sein, denn bei dem ganzen Wahnsinn, der da auch der Bühne passiert, wäre ich glatt untergegangen.

Was bleibt? Eine große Tochter, die sauer ist, weil ich schon wieder nicht auf 22 Jahre Kinderheim, 50.000 Euro Schulden (die ich abarbeitet habe), ein Jahr Obdachlosigkeit, Spielsucht (die ich alleine überwunden habe) und eine beschissene, chronische Krankheit mit dem saublöden Namen Sarkoidose herumgeritten habe. Ich wollte das einfach nicht. Ich wollte nicht ins Fernsehen, weil ich eine Geschichte zu erzählen habe, die dann so pervers ausgeschlachtet und vermarktet wird, wie es bei dieser Staffel schon wieder gemacht wird. Tote Väter, kranke Mütter, Vertreibung und Flucht aus welchen Ländern auch immer. Da habe ich echt keinen Bock drauf.

Ich wollte punkten mit 25 Jahren Bühnenerfahrung und mehr als 600 Auftritten als Sänger und Gitarrist. Ich wollte punkten mit 30 eigenen, deutschsprachigen Liedern, die ich nächstes Jahr in Eigenproduktion als Download herausbringen werde. Ich wollte punkten mit mehr als 1.000 verkauften CDs, die ich während meiner Konzerte anbiete. Ich wollte punkten mir einem gesanglichen Musikumfang, der von Klaus Lage bis Robbie Williams geht.

Doch das nutzte nichts, ich bin einfach zu normal. Und ihr da draußen, die ihr euch das Maul über mich zerreißt, weil ich "anders" bis als ihr, weil ich Hausmann bin, Musiker, PC-Freak, Internetprofi und Lebenskünstler und jetzt auch noch Buchautor, ihr findet mich abnormal. Weil ich nicht regelmäßig auf die Arbeit gehe? Weil ich soviel rede? Weil ich immer offen und ehrlich meine Meinung sage?

Ich bin so normal, dass sie mich nicht ins Fernsehen lassen! Aber wir sehen und trotzden, ihr da draußen, auf dem nächsten Konzert, der nächsten Party oder dem nächsten Event. Ihr werdet mich nicht los, ich bin dabei! Bis man mich tot von der Bühne trägt. Westernhagen ist über 60 und tourt nächstes Jahr auch wieder.

Da hab' ich ja noch eine Menge Zeit. Und meine Zeit wird kommen, verlasst euch drauf. Dann wollen die, die heute die Straßenseite wechseln, morgen schon immer gewusst haben, was für ein toller Kerl ich bin. Aber dann brauche ich euch auch nicht mehr, denn wie man es in den Wald reinruft....

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Zuletzt bearbeitet am 27.06.2019 09:05