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Foxconn, Apple und das iPad

Wenn Sie in der letzten Zeit aufmerksam die Nachrichten verfolgt haben, dann wird Ihnen eines sicher nicht entgangen sein: Apple startet den Verkauf des neuen iPad. Laut der Apple-Webseite ein "magisches und revolutionäres Gerät zu einem unglaublichen Preis!" Es ist tatsächlich preiswert, das iPad, denn es gibt dieses wirklich tolle Gerät, das in vielen Fachzeitschriften (mit ein paar Abstrichen) hochgelobt wird, schon ab 499 Euro. Da kostet manches Handy mehr. Wenn Sie sich manchmal gefragt haben, warum ein ganzes Huhn auf dem Wochenmarkt 12 Euro kostet, in Ihrem Supermarkt aber nur 2,49 Euro, dann sollten Sie sich auch mal beim iPad über den Preis Gedanken machen.

Apple lässt den iPad in Shenzen (China) von der taiwanischen Firma Hon Hai produzieren, die in China unter dem Namen Foxconn firmiert. Diese Firma ist mit mehr als 1 Million Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber auf dem asiatischen Markt. In den letzten fünf Monaten gab es im Werk in Shenzen mehrere Selbstmorde, die nicht nur die Firma Apple aufgeschreckt hat. Der Applesprecher Steve Dowling sagte in einer Presseerklärung: "Wir sind traurig und betroffen von den jüngsten Suiziden bei Foxconn. Ein Team von Apple ist dabei, unabhängig zu bewerten, welche Schritte dort unternommen werden, um auf diese tragischen Ereignisse zu reagieren. Und wir werden unsere laufenden Inspektionen der Anlagen fortsetzen, in denen unsere Produkte hergestellt werden."

Die Firmenleitung bemühte sich eifrig, das Bild der Firma in der Berichtserstattung sauber zu halten. Mehrfach betonte man den Satz: "Die Firma Foxconn ist keine Ausbeuterfirma. Unsere Arbeiter werden nicht misshandelt!" Das mag für asiatische Verhältnisse ja so stimmen, aber sicher nicht für europäische. Alleine in Shenzen arbeiten über 300.000 Arbeiter. Sie arbeiten dort bis zu 80 Stunden in der Woche (anstatt, wie von Apple gefordert "nur" 60 Stunden), dürfen während der Arbeit an den hochempfindlichen, elektrischen Bauteilen nicht miteinander reden und werden rund um die Uhr von Sicherheitspersonal über- und bewacht. Diese Sicherheitsleute bilden innerhalb der Firma eine eigene, kleine Armee mit umfangreichen Befugnissen und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück, wie ein Video zeigt, welches von einem Foxconn-Arbeiter gemacht wurde. Und das z.T. alles für den Mindestlohn, der bei Foxconn bei unfassbaren 90 Euro liegt. Im Monat, wohlgemerkt! Dabei arbeiten dort auch viele Wanderarbeiter, die in großen, unpersönlichen Schlafsälen untergebracht werden. Die chinesische Tageszeitung "Southern Weekly" hat einen Arbeiter in die Firma eingeschleust, der dann fast täglich über die Arbeitsbedingungen berichtete.

Natürlich hat auch Foxconn auf die Selbstmorde reagiert. Es wurden Hotlines eingerichtet, die Arbeiter können sich von Seelsorgern betreuen lassen und in den neuen Arbeitsverträgen steht eine neue Klausel (das ist kein Witz): "Ich verpflichte mich, während ich für die Firma Foxconn arbeite, keinen Selbstmord zu begehen."

Das ist also der Grund, warum der iPad so billig ist. Aber wir sollten uns da nicht nur an Apple halten, denn in genau dieser Fabrik produziert auch Acer. Und Asus. Und natürlich Intel. Achja, das MacBook kommt auch von da. Und unzählige Handys.



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