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Die Tierkommunikatorin Katharina Küsters

Das mit dem gesunden Menschenverstand ist so eine Sache. Ich begründe mit diesem Argument viele meiner Artikel, wenn ich etwas erklären möchte, oder etwas so unsinnig ist, dass es mit dem „gesunden Menschenverstand“ zu analysieren versuche. Doch meine Mitmenschen machen mir das nicht immer leicht und ich frage mich, ob es tatsächlich möglich sein sollte, dass dieser Menschenverstand unterschiedlich ausgeprägt sein sollte oder ob man diesen komplett abschalten kann.

Letzteres scheint tatsächlich möglich zu sein, wenn man von einer Frau Katharina Küsters liest, die behauptet, eine Tierkommunikatorin zu sein. Was das bedeutet? Sie redet mit Tieren. Mit lebendigen Tieren und mit toten Tieren. Ich kenne Cesar Millan aus dem Fernsehen (die Sendung „Der Hundeflüsterer“), einen der besten Hundetrainer der Welt, aber der behauptet nicht, mit Tieren zu reden. Ich kenne Martin Rütters, einen deutschen Hundetrainer, aber der behauptet auch nicht, dass er mit Hunden redet. Im Gegenteil, er sagt sogar, mit Hunden reden ist Blödsinn, denn die verstehen kein einziges Wort von dem, was wir sagen!

Was unterscheidet nun Katharina Küsters von diesen beiden Hundetrainern? Die Tatsache, dass Frau Küsters tatsächlich mit Tieren redet! Sie kommuniziert mit ihnen, wie sie mit ihren Mitmenschen redet. Selbstverständlich hat Frau Küsters eine eigene Homepage, auf der sie auf ihre außergewöhnliche Begabung aufmerksam macht, und gibt bereitwillig Interviews für Zeitung, Radio und Fernsehen.

Doch wie soll das nun vonstatten gehen, diese Kommunikation? Natürlich über Telepathie! Dabei spielt es auch keine Rolle, dass es keinerlei, jetzt mein Lieblingsargument, wie auch immer geartete Beweise für das Vorhandensein von Telepathie gibt. Telepathie ist ein Mythos, eine Erfindung aus dem Griechischen. Es gibt keine Gedankenübertragung, weder bei Menschen und erst recht nicht bei Tieren. Dem Menschen ist es, nicht traurig sein, überhaupt nicht und in keinster Weise möglich, sich mit Tieren zu unterhalten.

Frau Küsters kann, nach eigenen Angaben, Kontakt zu einem Tier aufnehmen. Dabei kann es, ich zitiere: "sowohl um allgemeine Fragen, wie auch um konkrete Probleme gehen". Diese Fähigkeit lernte sie, weil sie schon immer von "Hunden, Katzen, Meerschweinen und Pferden" begleitet wurde. So wurde sie Tierheilpraktikerin und danach ließ sie sich zum Tierkommunikator ausbilden.

Bei dieser Tierkommunikation werden "Bilder, Gefühle oder einfach nur Wissen zwischen dem / der TK und dem Tier hin und her geschickt." Dabei wird der Name des Tieres und ein Bild benötigt. Dann wird telepathisch, manchmal über mehrere Sitzungen, Kontakt zu dem Tier aufgenommen und diese Gespräche werden protokolliert. Das Protokoll wird dem Tierbesitzer dann zugesendet. Es ist also nicht einmal nötig, dass Frau Küsters vor Ort ist, denn Telepathie kennt keine Grenzen. Während diesesn Sitzungen kann man dem Tier indiviuelle Fragen stellen und Frau Küsters empfängt die Antwort. Sie möchten ein zweites Tier und möchten wissen, was ihr Hund davon hält? Frau Küsters fragt  nach. Sie haben das Gefühl, das Tier fühlt sich im Rudel nicht wohl? Frau Küsters bekommt eine Antwort. Zitat: „Ein 5 Monate alter Rüde fand seinen Namen sehr schön, er zeigte sich dabei so stolz, dass es einfach nur schön zu erleben war. Den Kommentar "Na du bist ja vielleicht ein niedliches Kerlchen" lehnte er jedoch ab mit den Worten "Ich bin kein Kerlchen, so nicht". Auch Liebeskummer, körperliche Probleme oder bevorzugte Hobbys des Tieres können abgefragt werden. Es spielt dabei übrigens keine Rolle, ob das Tier aus dem Ausland kommt, denn Frau Küsters spricht mit allen Tieren in der deutschen Sprache. Das scheint kein Problem darzustellen jedoch "kann es aber schon mal sein, dass ein Tier so etwas wie "Si" oder "Ciao" einfließen lässt."

Doch damit nicht genug! Denn Frau Katharina Küsters redet auch mit toten Tieren! Sie hatte Kontakt mit einem Beagle, der "ist absichtlich vor einen Zug gelaufen, um sich das Leben zu nehmen!"

Doch nun das Schönste, was ich auf Ihrer Homepage und in diesem Interview gefunden habe. Noch einmal ein Zitat: "Für meine Gespräche mit ihrem Tier berechne ich Ihnen (nach erfolgtem Gespräch, Nachgespräch und zusammen mit dem Protokoll) 0,75 Euro pro Minute. Im Normalfall dauert so ein Gespräch rund 60 - 120 Minuten." Das wären dann z.B. 90 Euro für ein telepathisches Gespräch mit einem Tier. Für ein Gespräch ohne Zeugen, denn der Hund kann sicher nicht zu seinem Frauchen sagen: "Hey, die Tante Küsters klingelt gerade an, ich nehm mal ab und plauder ein wenig mit ihr. Die ist nett, die versteht mich wenigstens!"

Sie bezahlen also Geld für eine Sache, die sie in keinster Weise kontrollieren können und die so dermaßen an den Haaren herbeigezogen ist, dass mir (fast) die Worte fehlen. Anscheinend gibt es doch Menschen, die schalten ihren gesunden Menschenverstand aus und engagieren eine Tierkommunikatorin wie Frau Küsters, die dann, für 90 Euro, Gespräche mit Tieren führt.

Ich fasse es nicht! Ich habe eindeutig den falschen Beruf. Ich lerne jetzt, wie man sich mit Brieftauben unterhalten kann, damit ich deren Sorgen und Nöte verstehen kann. Und vielleicht bringen die mir bei, wie sie immer wieder nach Hause finden. Falls das Navigationsgerät in meinem Auto mal ausfällt.

Quelle: Katharina Küsters und Kölner Stadtanzeiger
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