Skip to content

Zivilcourage: Bitte nicht wegschauen

Toter Manager in Münchener S-Bahn
Der Fall von München, so tragisch wie er auch endete, macht es wieder deutlich: Schaut bitte nicht weg, wenn in Eurer Umgebung Unrecht geschieht, Menschen geschlagen und verletzt werden oder in ernsthafter Gefahr sind. Dabei sollte aber unbedingt auch auf das eigene, kostbare Leben geachtet werden.

Der Manager, der gestern in München starb, wurde während einer solchen Hilfsaktion von zwei Jugendlichen so stark attakiert, dass er fiel und sich schwer verletzte. Noch am Boden liegend, traten die beiden polizeibekannten Idioten auf ihn ein. Er verstarb im Krankenhaus. Zuvor haben diese Jugendlichen in der S-Bahn mehrere Kinder geschlagen und bedroht: Und niemand griff ein, obwohl mehr als 20 Erwachsene daneben standen.

Ich selbst erlebte eine ähnliche, aber längst nicht so tragische Aktion auf dem Parkplatz des Kauflandes in Igersheim. Während ich meine Besorgungen ins Auto lud, schrie ein paar Fahrzeuge weiter ein ältere Mann seine Frau an. Er schimpfte wie ein Bekloppter auf sie ein und benutzte dazu die übelsten Schimpfwörter. Ich steckte meine Kinder ins Auto und beobachtete die Szene. Meine Meinung war: Solange er sie nicht schlägt, bleibe ich stehen und mache nichts. Meine Frau bemerkte dies und flüsterete noch, ich solle mich nicht einmischen. Doch in diesem Moment schlug der Mann seiner Frau, die sich in den Kofferraum gebückt hatte, die geöffnete Klapptüre in den Rücken und drückte zu. Ich nahm einen Regenschirm aus dem Kofferraum, ging auf den Mann zu und stieß ihn ernergisch von seinem Auto weg. Noch bevor er etwas sagen konnte, drohte ich ihm mit dem Regenschirm und schrie ihn an: "Wenn sie noch einmal ihre Frau schlagen, dann schlage ich sie! Haben sie mich verstanden? Solange ich hier mit meinen Kinder bin, schlagen sie ihre Frau nicht!". Dabei stieß ich ihm mit der Spitze des Regenschirmes auf die Brust.

Die Leute rings herum, die die Szenerie mit angesehen hatten, finden an zu klatschen und ich rief laut: "Hört auch zu klatschen, warum hat von euch keiner geholfen?" Der Applaus verstummte sofort und keiner schaute mehr in meine Richtung.

An diesem Tag hatte ich einfach nur Glück. Der alte Mann war sicher durch meine Größe und Körperfülle, sowie durch mein Auftreten beeindruckt und lies von seiner Frau ab. Er griff mich auch nicht an. Doch ich hätte auch an einen Täter geraten können, der vielleicht auf mich losgegangen wäre. Und das im Beisein meiner Kinder und meiner Frau! Ich persönlich fühlte mich diesem Täter allerdings gewachsen und wäre, mit Sicherheit, anders vorgegangen, wenn es sich dabei vielleicht sogar um mehrere Täter gehandelt hätte. Ich hätte mich nach Hilfe umgeschaut, hätte vorher die Polizei und/oder die Marktleitung gerufen. Alleine wäre ich nicht eingeschritten, wenn ich Sorge um meine Gesundheit oder sogar mein Leben gehabt hätte.

Ich will hier ehrlich sein, ich hänge an meinem Leben. Ich springe mit Sicherheit in keinen Fluss, wenn dort jemand Fremdes am Ertrinken ist. Ich rette auch niemandem aus einem brennenden Auto, wenn sich dadurch eine reale Gefahr für mein eigenen Leben ergibt. So gut kann ich erstens nicht schwimmen und ich spiele sicher nicht den Helden. Ich greife sicher nicht ein, wenn mehrere Täter involviert sind und ich selbst keine weitere Hilfe finde. Und das sage ich trotz 12 Jahre Kampfsporterfahrung. Das hat aber nichts mit mangelnder Zivilcourage zu tun, sondern mit gesundem Selbstschutz. Es muss nicht sein, dass ich, vielleicht sogar noch vor meinen Kindern, verletzt oder sogar erschlagen werde.

Wobei ich bei einem Thema angelangt bin, bei der ich eine sehr eigene, spezielle Meinung habe: Wir sind viel zu weich zu unserer Jugend. Dieses ganze Pädagogenpack mit ihren verweichlichten Meinungen über humane Erziehung, die gehen mir so auf die Socke. Wenn wir weiterhin unseren Kindern alles durchgehen lassen und sie mit keinen ernsthaften Konsequenzen für ihr Tun rechnen müssen, dann werden wir bald mehr Schwerverletzte und Tote zu beklagen haben. Ich selbst erwähnte es hier schon einmal: Ein aufsässiger Jugendlicher baute sich vor mir auf und sagte mir ins Gesicht: "Schlagen sie mich ruhig, dann zahlen sie meine Ausbildung!"

Ich hätte ihm eine scheuern sollen, ich bereue es, es nicht getan zu haben. Wenn ich diesen Satz vor 30 Jahren zu einem Autofahrer gesagt hätte, der hätte mich, auf offener Straße, windelweich geprügelt. Und was machen wir heute? Wir ballen die Faust in der Tasche, schlucken alles runter, staunen vor soviel Kaltschnäuzigkeit, steigen ein und fahren weiter.

Das ist einfach nicht der richtige Weg, das kann so nicht weitergehen. Auch das Jugendstrafrecht, das ist ein echter Witz. Wenn ein 19jähriger Mann kiffen, sich besaufen und dann noch Auto fahren kann, dann soll er auch für 15 Jahre in den Knast, wenn er einen Menschen tot fährt.

Ihr

6 Klicks

© Hadley B. Jones | Alle Rechte vorbehalten!
Gib mir einen aus!