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BIZ-Connections und ich

Nach einem der letzten Auftritte der BIZ-Connections fragte ich bei einem Kumpel nach, der in der Bigband Trompete spielt, ob man nicht vielleicht einen neuen Sänger suchen würde. Er bejahte dies und meinte gleich noch, auch ein Gitarrist würde gesucht werden. Na, dachte ich, das wäre doch mal was für mich. Ich singe ja nicht schlecht und mein Repertoire an Lieder, die ich auf der Gitarre spielen kann, liegt jenseits der 200 Lieder.

Also begab ich mich gestern zur Probe der BIZ-Connections, wurde sehr, wirklich sehr freundlich und nett begrüßt und bekam dann einen Leitz-Ordner mit dem aktuellen Programm. Ich hatte bereits die Gitarre angeschlossen und blätterte mich munter durch die Lieder. Doch mit jedem Lied, mit jeder Seite die ich bestaunte, sank meine Kinnlade ein kleines Stück nach unten. Mein erster Gedanke war: Wie komme ich aus dieser Nummer wieder raus, ohne mich zu blamieren?

Ehrlich, da standen Griffe für die Gitarre, die hatte ich mein Leben lang noch nie gesehen! Ab und zu tauchte mal ein dm oder ein fis auf, aber alles andere war mit zu 95% völlig fremd! G7 6/9? Was soll das bitte für ein Griff sein? Oder B# 7/9 (oder so ähnlich), den hatte ich auch noch nie gesehen. Mit jedem Lied, mit jedem Blatt verschwand auch mein Selbstbewusstsein in den Keller. Da half nur noch ein: Die Flucht nach vorne. So erhob ich meine Stimme und sagte: "Meine Lieben, dass mit der Gitarre, das könnt ihr glatt vergessen. Ich spiele seit 30 Jahren und habe mir nur die Standardgriffe beigebracht. Was hier auf dem Papier steht, ist viel zu hoch für mich. Das könnt ihr vergessen!"

Also blieb noch der Gesang. Doch auch hier hatte mich längst der Mut verlassen. Ich kann mich 2 Stunden am Abend hinstellen und ein Lied nach dem anderen singen. Wenn ich das Lied kenne! Und wenn ich es mag! Was da in diesem Ordner war, passte weder auf das Eine, noch auf das andere. Es endete damit, dass ich "New York, New York" singen sollte, welches für mich viel zu hoch war. Dann "Can you feel the love tonight", wo ich gerade mal den Refrain kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich brach ab, das hatte keinen Sinn. Die Lieder in diesem Ordner kannte ich nicht, die Gitarrengriffe kannte ich nicht und ich kam mir so lächerlich vor, überhaupt daran zu denken in dieser Band zu singen, das kann niemand nachvollziehen. Ich wurde gestern aber sowas von geerdet, das hat auf der einen Seite echten Frust ausgelöst, auf der anderen Seite aber auch wieder gut getan. Ich verabschiedete mich von den Musikern, sprach ihnen, mit absoluter Ehrlichkeit, meinen vollen Respekt aus und verlies den Saal.

Was ziehe ich aus dieser Sache? Das ich kein Musiker bin oder mich nicht mehr wie einer fühle? Sicher nicht. Auf meinem Gebiet bin ich ein relativ guter Sänger, der zwei Stunden lang die Leute unterhalten kann. Ein Entertainer bin ich sowieso, das kann mir niemand absprechen. Das ich nicht so dolle Gitarre spiele, das wusste ich auch schon vorher, von den hunderten Griffen für die Gitarre kann ich gerade mal 20. Aber ich habe gestern schon ein wenig Demut gelernt. Was die BIZ-Connections da auf der Bühne veranstalten ist vom Niveau her meilenweit von dem entfernt, was ich abends so vor mich her klimpere. Beides ist unterhaltsam, beides hat seine Fans, aber vergleichbar ist das nicht.

"Schuster, bleib bei deinen Leisten!"

Dieses Sprichwort gibt es nicht umsonst. Wer gerade einmal, musikalisch betrachtet, Dreirad fahren kann, sollte nicht versuchen auf eine Goldwing umzusteigen. Eines habe ich gelernt: Ich werde beim nächsten Auftritt der BIZ-Connections noch etwas lauter klatschen!
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