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Fanatismus: Das Christentum

Heute besuche ich meine Webseite und sehe eine Werbung von Google, die mich interessierte. Als Atheist mit leichtem Anhang zur Agnostik las ich die Worte auf dem Banner und dachte zunächst an eine neue Abzockmasche, schließlich gibt es kein leichtgläubigeres Volk wie die Christen. Wer an einen nichtvorhandenen Gott glaubt, der fällt auch sicher auf eine Abzockseite herein, die sich mit diesem Thema beschäftigt (nicht, dass ich jetzt noch jemanden auf eine Idee bringe). Ich klicke also die Webseite an und war erstens von der Wortwahl auf der Seite erstaunt, dann von der Professionalität mit der sie erstellt wurde und von der Dreistigkeit beim Abgreifen von Adressen.

Ich habe Jesus als meinen Erlöser angenommen.
Ich möchte gerne ein Kind Gottes werden!
Ich, ich will errettet werden!

Wenn Sie dieses Gebet gesprochen habe, dann dürfen Sie auf JA klicken, wenn nicht, dann auf NEIN. Im Fall von JA kommen Sie sofort auf eine Seite, die Ihre persönlichen Daten abfragt, ich falle von NEIN auf ein Video. Ich habe tapfer auf JA geklickt.

Gratulation zu Ihrem Gebet! Sie haben in diesem Gebet Ihr Vertrauen zu Jesus Christus ausgedrückt. Sie können es uns wissen lassen, indem Sie diese Seite kurz ausfüllen und absenden. Nach Ausfüllen des Formulares können Sie ein Neues Testament (Bibel) gratis bestellen.

Ja, gratis eine Bibel zu bekommen, das ist ja schon einmal nicht schlecht. Leider steht da aber mit keinem Wort, um welche Bibel es sich dabei handelt. Wenn Sie das noch nicht wussten, es gibt hunderte von verschiedenen Bibeln, die alle in Details vom Inhalt abweichen. Auf dem Formular kann man auch nicht folgendes ausfüllen:

  • Ich sprach dieses Gebet zum ersten Mal
  • Ich sprach dieses Gebet früher schon einmal und habe es jetzt noch einmal erneuert

Der Grund dafür ist klar: Wer das zum ersten Mal gemacht hat, muss bei einer Kontaktaufnahme anders angesprochen werden wie jemand, der sich diesem Unsinn schon länger verschrieben hat. Im unteren Teil können Sie bestimmen, ob jemand von dieser Webseite mit Ihnen in Kontakt treten kann oder nicht. Es ist aber völlig egal, was Sie da eintragen (ich habe es ausprobiert), die melden sich trotzdem. Die wären ja auch schön blöd, wenn die diese Gegelenheit ein neues Schäfchen zu rekrutieren, verstreichen lassen würden. Fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass Sie dieses Adressfeld auch wegklicken können. Dazu steht oben rechts ein Feld zur Verfügung. Gesehen habe ich das aber, obwohl es wirklich recht groß ist, erst beim zweiten Besuch der Webseite.

Nachdem ich dann auf der Hauptseite war, klickte ich mich durch und wahr wirklich fasziniert von der Aufmachung der Seite und der Wortwahl. Da ich gerade an einem Sachbuch über das Christentum schreibe, wurde mir durch diese Webseite wieder einmal bestätigt, was gute Wortwahl alles anstellen kann. Dazu passende Bilder und man taucht sofort ein in eine Welt voller Frieden, Harmonie und Liebe. Aber, es ist, wie es immer ist: Wo Sonne ist, da ist auch Schatten. Aber der Reihe nach.

Bemerkenswerterweise gibt in diese Homepage tatsächlich auch in arabischer, indischer oder chinesischer Sprache. Es wird kein großer Hehl daraus gemacht, für was diese Homepage erstellt wurde: Zum Missionieren!

Auf einer der Seiten wird Jesus vorgestellt mit den Worten:

• Wer ist die bemerkenswerteste Persönlichkeit aller Zeiten?
• Wer ist die größte Führungspersönlichkeit der Geschichte?
• Wer ist der größte Lehrer?
• Wer hat am meisten Gutes für die Menschheit getan?
• Wer hat das heiligste Leben gelebt?

Ich kann Ihnen sofort eine ganze Handvoll Menschen aufzählen, deren Name nicht mit Jesus anfängt. Alexander der Große war auch einer der größten Führungspersönlichkeiten der Geschichte. Und wer hat am meisten Gutes für die Menschen getan? Was ist mit Alexander Fleming (Penizillin) oder den Sumerern. Die haben nicht nur die moderne Schrift erfunden, sondern auch das Rad, sie erfanden die Bewässerung und waren das erste Volk, dass die Milchproduktion industrialisierte. Sie hatten unzählige Berufe, die Kinder der Sumerer hatten Schulpflicht(!), sie erfanden das Gewölbe und die höhere Mathematik und sie erforschten bereits die Planeten. Vieles, was wir heute wissen, verdanken wir den Sumerern. Und wer das heiligste Leben gelebt hat ist immer noch eine Frage des Standpunktes. Nämlich der Erforschung des Wortes Heilig. Auch ein Brahmane, der sich an die Gesetze seiner Religion hält, führt ein heiliges Leben. Und jetzt mal ehrlich, aber die bemerkenswerteste Persönlichkeit aller Zeiten ist immer noch Leonardo da Vinci. An den kommt auch ein Jesus nicht heran. Jesus war ein jüdischer Wanderprediger, da Vinci ein Genie.

Am allerbesten finde ich immer solche Passagen:

Schon Jahrhunderte vor Jesu Geburt haben Propheten in Israel von seinem Kommen geredet. Das Alte Testament wurde über einen Zeitraum von 1500 Jahren von rund 40 verschiedenen Schreibern verfasst, und es enthält über 300 Vorhersagen über das Leben Jesu. All diese Vorhersagen haben sich bis ins Detail erfüllt, auch die über seine wundersame Geburt, sein sündloses Leben, seine zahlreichen Wunder, seinen Tod und seine Auferstehung.

Zunächst stimmt es einmal nicht, dass das "Alte Testament" über einen Zeitraum von 1500 Jahren von 40 verschiedenen Schreibern verfasst wurde. Erste Quellen, die sich auch zuordnen lassen, entstanden etwa 1.000 v. Chr. Viele dieser Bücher beinhalten auch die politische Geschichte der Juden. Die, ich nenne es mal, Endfassung des AT wurde vermutlich von jüdischen Schreiben im s.g. Babylonischen Exil (539 v. Chr.) verfasst. Das Grundgerüst des AT entstand aus alten Mythen, Ahnengeschichten, heidnischen Überlieferungen und zu guter Letzt auf völlig frei erfundenen Geschichten (Exodus und Landnahme). So ist z.B. das Anstreichen der Haustüre mit Farbe ein heidnischer Brauch (Sodom und Gomorrha), der den Jägern Jagdglück bescheinigen und den zu Hause gebliebenen Schutz vor bösen Geistern bieten soll. Das AT besteht auch aus vielen Geschichten, die nichts mit dem kommenden Erlöser (Messias) zu tun hat. Dieser taucht das erste Mal in Jesaja 9/1-6 auf (740 v. Chr.) und einige Propheten, die danach gekommen sind, haben an diese Erlösergeschichte angeknüpft. Die Behauptung, dass sich im AT 300 Stellen befinden sollen, die auf Jesus als den Messias hinweisen, halte ich schlicht für frei erfunden. Zumal sie nicht auf Jesus konkret hinweisen würden, sondern auf einen Erlöser, einen Messias, der das Volk Israel aus dem Jammertal führt.

Man muss davon ausgehen, dass auch Jesus von Nazareth sich ausgezeichnet im AT ausgekannt hat. Sonst hätte er niemals im Alter von 12 Jahren mit den Priestern im Tempel angeregt diskutieren, und diese Priester sprachlos machen können. Zur damaligen Zeit waren alle jüdische Familien streng religiös und Jesus wusste das für sich zu nutzen. Als er sich mit Johannes dem Täufer, der nach neuesten Forschungen sein Cousin war, zusammentut, machten die beiden sich gemeinsam daran diese Prophezeiungen, vor allem die aus dem Buch Jesaja, zu erfüllen. Wie eine Liste, die man abhakt, wenn man ein Ziel erreichen will. Erst als Johannes stirbt, weicht Jesus von diesem Plan wieder ab. Aber das ist eine lange Geschichte, die ich an einer anderen Stelle erzählen möchte.

Die Auferstehung ist der einzige vernünftige Grund für den Start der christlichen Gemeinde. Die Kirche ist bis heute die größte Bewegung weltweit, die je existiert hat.

Die Auferstehung hat nie existiert, aber davon mal abgesehen war sie nicht der Startschuss für die christliche Gemeine. Die Urchristen, wie sie nach Jesus Tod in Jerusalem entstanden, waren eine jüdische Splittergruppe. Sozusagen christliche Juden. Das Wort "christlich" kommt einmal im Neuen Testament vor, nämlich im Brief des Paulus an die Galater (Galater 1,22). Da war Jesus längst tot und Paulus hatte sich von der jüdisch-christlichen getrennt, nachdem er von Jakobus, der die Urgemeinde leitete, mehrfach nach Jerusalem einbestellt wurde um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Denn mit dem, was Paulus aus der Lehre Christi machte, und vor allem mit dem, was Paulus aus Jesus von Nazareth macht, war Jakobus überhaupt nicht einverstanden. Die Urgemeinde, die aus den Aposteln hervorging, hat Jesus nicht als einen Gott angesehen, sondern aus einen Propheten Gottes. Paulus hat das Wort Christen erst erfunden und geprägt. Paulus, nicht Jakobus, und schon gar nicht Jesus selbst, hat das Christentum, wie wir es heute kennen gegründet.

Bevor ich nun hier einen ganzen Roman schreibe, sind mir auf der Webseite unter Beten ist ganz einfach, noch etwas aufgefallen:

"Vater im Himmel, mir ist klar geworden, dass ich mein Leben selbst bestimmt habe und von dir getrennt bin. Vergib mir meine Schuld. Danke, dass du meine Sünden vergeben hast, weil Christus für mich gestorben und mein Erlöser geworden ist. Herr Jesus, bitte übernimm du die Herrschaft in meinem Leben und verändere mich so, wie du mich haben willst. Danke, dass du mein Gebet beantwortet hast und jetzt in meinem Leben bist. Amen."

Es ist also eine Sünde, wenn ich mein Leben selbst bestimme und diese Sünde soll mir vergeben werden? Und warum soll ich es zulassen, dass jemand anderes, Jesus hin oder her, die Herrschaft und Kontrolle über mein eigenes Leben übernehmen soll? Warum sollte ich mich so verändern, wie Jesus mich haben will? Ist es nicht einer der wichtigsten Grundsätze der christlichen Religion, dass Jesus alle Menschen liebt? So wie sie sind?

Wie dem auch sei, wenn ich mich mit dem Christentum befasse, bleibe ich immer mit vielen Fragen und unzureichenden, oder gar nicht bekommenen Antworten zurück. Natürlich hat es mich interessiert, wer hinter dieser Webseite steckt, auf der sich zum Zeitpunkt meines Besuches angeblich mehr als 1.500 Besucher aufgehalten haben. Leider ist es nicht so einfach den Urheber herauszufinden, denn weder unter Wir über uns noch unter Kontakt steht eine Adresse und ein Impressum gibt es nicht. Registriert wurde die Domain von einer "Gandi SAS", das ist eine reine Internetfirma, die Domains verwaltet. Also schaue ich nochmal auf die Webseite und entdecke den Link Empfehlungen. Und tatsächlich, hier gibt es ein Impressum. Genannt als Urheber der Webseite steht hier ein Verein mit dem Namen Campus für Christus e.V.

Dieser evangelisch ausgerichtete Verein wurde bereits 1967 im deutschsprachigem Raum gegründet und hat sich als größtes Ziel die Missionierung auf die Fahnen geschrieben. Ziel ist es dabei, die komplette Welt zu missionieren und das ev. Christentum überall zu verbreiten. Die Muttergesellschaft wurde bereits 1951 in den USA gegründet, dem Vaterland der konservativen und fanatischen Religionsgemeinschaften. Der Verein hat in Deutschland ca. 110 Mitarbeiter und finanziert sich über Spenden. 

Quelle und (c) aller Texte und Screenshots: http://gottkennen.jesus.net

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Kommentare

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BeanViola34 am :

People in the world get the loan from various banks, just because it's easy and fast.

Chabatta am :

Nabend .,.,., die Website ist ganz nett, aber anmachen tut se mich nicht wirklich. Solch eine Powerpoint Präsentation haut man schnell mal zusammen, aber was da dann wirklich drin steht, wirft selbst bei mir noch Fragen auf. Über die sollten "Christen" lieber öfter mal nachdenken sodaß Sie dann in der Lage sind zumindest professionell darüber zu diskutieren. Ne toll gemachte Website ist allerdings noch was anderes: http://www.unserkoerper.de/flashfilme/maxundlisa/index.html Vor allem ist des ehrlicher als ehrlich und es wird nicht mit deiner Seele gepokert. Ich glaube es reicht wenn man selbst weiss was man tut und wofür man steht, was gut und was böse ist, denn Gott sieht jeden Menschen und jedes Herz. Retten tut nur Gott und richten wird er gerecht, nachdem die letzte Stunde geschlagen hat. Es heisst: wir können nur durch Glauben seelig werden, nicht durch Wissen. Für dieses Szenario ist diese Welt perfekt gemacht. Abschiessend möchte ich noch erwähnen das mir persöhnlich diese ganzen Daten und Fakten von aus tausenden von Jahren her vordergründig Latte sind. Entweder gibt es Gott oder es gibt ihn nicht. Derjenige der ihn noch nicht erlebt hat, kann ihn nur verneinen, der ihn erlebt hat, hat etwas erlebt. Habe die Ehre .,.,., Chabatta

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