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Ina Müller in "Inas Nacht"

Als ich Inas Nacht in der ARD das erste Mal sah, musste ich mich mehrfach vergewissern, dass ich wirklich ARD als Sender eingestellt hatte. Diese Frau war so frech, so forsch, keck und so unanständig, das konnte einfach nicht wahr sein. Sie redete, wie ihr der Schnabel gewachsen war, nahm kein Blatt vor den Mund und scheute keine noch so unanständige Frage an den jeweiligen Interviewpartner. Sie fragte Gunter Gabriel, ob er sich denn keinen Sex mit ihr vorstellen könne (das fragte sie tatsächlich) und in einer anderen Sendung schob Sie sich, während eines Kinderspiels, eine Peperoni in den Schlüpfer. Sie trinkt während der Sendung ein Bier nach dem anderen, ist unfassbar laut, lacht sich fast immer schlapp bis ihr die Tränen kommen, und scheint einfach nicht zu bremsen zu sein.

Ich halte Inas Nacht mit Ina Müller für die beste Talkshow im deutschen Fernsehen und die Sendung ist, jeden Donnerstagnacht in der ARD, inzwischen fester Bestandteil in meinem Leben geworden. Die Gäste, die Ina Müller dabei einlädt, die sind mir völlig schnurz, von mir aus würde die Sendung auch funktionieren, wenn nur die Moderatorin vor sich hin schnoddert. Aber, das muss man sagen, die dreht erst richtig am Rad, wenn auch die Gäste stimmen. Gestern Abend waren das Bjarne Mädel (Stromberg) und Hella von Sinnen, so wie die Band Materia mit „Verstrahlt“ und eine weitere Combo aus der Pfalz. Und sie immer mittendrin, jeder Gast muss selbst singen und Ina Müller singt auch immer bei den Bands mit. Sie geht dabei ab wie Schmitz Katze und ich frage mich immer, woher diese Frau die unbändige Energie nimmt. Ihre witzige Spontanität ist ansteckend und manchmal, wenn sie über das Ziel hinausschießt und das im gleichen Augenblick merkt, freut man sich wie ein kleines Kind, wenn sie es schafft, sich wieder herauszuwinden.

Dabei war die Sendung gestern das Beste, was ich seit Langem im Fernsehen gesehen habe. Ihr Interview mit Bjarne Mädel hätte einen Preis verdient, das war so abgefahren witzig, so erfrischend anders und ich kann mich Bjarne Mädels Worten nur anschließen, als er Ina Müller anschaute und fragte: „Sind wir wirklich in der ARD?“ Sie sang zusammen mit ihm einen Song von „Ganz schön feist“ mit dem Titel „Du willst immer nur Ficken“ und ich bin mir sicher, dass alle älteren Zuschauer oberhalb der sechzig Jahre nun erboste Briefe an die ARD schreiben, wer auf die Idee gekommen ist, diesem unverschämten Frauenzimmer Sendeplatz für ihren ganzen Schmutz einzuräumen. Spätestens, als Hella von Sinnen erklärte, warum sie Boxershorts unter den Overrolls trägt, („.. den Gummbund klemme ich mir dann unter die Wampe...“) hab' ich mich fast aus der Realität verabschiedet. Ich konnte nicht mehr, ich hab mich weggeschmissen vor Lachen.

Ina Müller ist ein Phänomen und ich danke dem Redakteur oder Verantwortlichen, der so mutig war, diese Frau in die ARD zu holen. Ich kann nur hoffen, dass ihre Einschaltquoten stimmen und ich meinen Donnerstagabend weiter so genießen kann. Ich hoffe nur, dass nicht irgendwann einer der Verantwortlichen sagt: „Das darfst du aber nicht mehr sagen/machen“, denn dann wäre die ganze Sendung für die Katz. Das funktioniert nur mit einer Ina Müller, die man von der Leine lässt und sagt: „Dann mach mal, wir bügeln das dann aus!“

Diese Sendung hat u.a. bereits den "Deutschen Fernsehpreis" (2008), den "Deutschen Comedypreis" (2009) und den "Grimmepreis" (2010) erhalten. Und das mit vollem Recht!

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