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Karfreitag? Mir egal, ich esse heute Rumpsteak

Auch eines dieser unsinnigen Verbote, die einem die katholische Kirche auferlegt: Du sollst am Freitag kein Fleisch essen, vor allem aber am Karfreitag nicht. Woher kommt dieser Brauch? Warum wird das gemacht? Versuchen Sie mal, dieses Thema zu googeln, Sie werden sich wundern: So richtig weiß das nämlich anscheinend gar niemand mehr.

These 1: Jesus ist am Kreuz gestorben

Ich liebe immer wieder Textpassagen, die so klingen, wie sie bei einem gläubigen Menschen klingen müssen. Auf die Frage, warum die Christen am Karfreitag kein Fleisch essen, antwortete der User "Coconut" auf einer "Frage-Antwort-Seite" mit folgendem Text:

Es ist der Tag an dem Jesus gekreuzigt wurde. An diesem Tag sollst du Fisch essen.

Der Karfreitag ist für die Christen einer der höchsten Feiertage. Nicht, weil Jesus ihrer Meinung nach dort leiden und sterben musste, sondern weil er demnach im Kreuzestod die Schuld aller Menschen auf sich nehme. Dadurch werde dem Christen erst Sündenvergebung und damit Errettung und Heil ermöglicht. Gleichzeitig betont die katholische Theologie zunehmend die Konsequenz seiner Gottessohnschaft, deren Botschaft von der Zuwendung des Schöpfergottes zu den Menschen eben nicht an Gewalt und Tod ihre Grenzen findet.

Quelle: http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20070405023757AA2Bniv

Verzeihung, aber hier steht nichts an Erklärung, warum ich Fisch essen sollte und an diesem Tag auf Fleisch verzichten soll. Es ist nur wieder dieses sture vorbeten einstudierter Floskeln, die gebetsmühlenartig vorgetragen werden, ohne den Sinn der Fragestellung überhaupt auch nur zu berühren.

Fleisch war damals eine Speise für die reichen Leute; Fisch blieb für die Armen. Im Gedenken an die tragische Hinrichtung des Jesus von Nazareth essen viele Menschen am Karfreitag kein Fleisch; wegen der Trauer, wegen der Hoffnung, und weil eigentlich alle Menschen eins gemeinsam haben: wir sind sterblich. Ein Tag im Jahr, wo Klassenunterschiede beim Verzehr von Speisen keine Rolle spielen sollen.

In diesem Absatz wird die zweite These (die kommt gleich) zumindest berührt. Warum ich aber kein Fleisch essen soll, nur weil vor mehr als 2000 Jahren ein jüdischer Revoluzzer von der römischen Staatsmacht ans Kreuz genagelt wurde, erschließt sich mir aus diesen Zeilen auch nicht. Das ist aber typisch für den christlichen, und wahrscheinlich für alle Glaubensrichtungen: Es wird einfach nachbebabbelt, was jahrtausendelang vorgebetet wurde, ohne über den Sinn nachzudenken.

Da fällt mir immer eine Geschichte ein, die mir einmal eine alte Dame erzählte: Als sie noch ein Kind war, beobachtete Sie, wie die Mutter einen Sonntagsbraten zubereitete. Dabei schnitt die Mutter die beiden Enden des Braten ab und warf diese Stücke weg. Diese "Technik" übernahm sie selbst, als sie Mutter wurde und ihre Tochter fragte, warum sie das denn machen würde. Sie antwortete: "Das hat meine Mutter, deine Oma, auch schon so gemacht". Damit wollte sich die Tochter aber nicht zufrieden geben und rief bei der Oma an. Diese Antwortete mit dem gleichen Satz: "Das hat meine Mutter, Deine Uroma, auch schon so gemacht". Nun, die Tochter war in der glücklichen Lage, dass nicht nur die Uroma, sondern auch die Ur-Uroma noch lebten, denn auch die Ur-Oma verwies eine Generation zurück. Beim nächsten Besuch im Altersheim fragte dieses Kind dann also endlich die Ur-Uroma, die über 100 Jahre alt war, warum denn alle Mütter die beiden Enden der Bratenstücke abschneiden und was das für einen Grund hatte. Die Ur-Uroma lachte und konnte gar nicht glauben, was sie da gefragt wurde. Ihr Antwort war: "Ach, Kind, wir hatten nur einen kleinen Topf und wenn ich die Enden nicht angeschnitten hätte, hätte der Braten nicht hineingepasst!"

These 2: Die Fastenzeit
Den Brauch des Fastens gibt es im Christentum erst seit dem 4. Jahrhundert nach Christus. Eigentlich gibt es zwei Fastenzeiten, denn auch der Advent ist eine Fastenzeit. Die österliche Fastenzeit geht vom Aschermittwoch bis Palmsonntag. Festgesetzt wurde diese Zeit im Kontil von Nicäa (325 v. Chr.). Der Bezug zur Bibel ist einfach: Auch Jesus fastete 40 Tage in der Wüste. Für diese Fastenzeit wurden strenge Regeln festgelegt, selbst Milchprodukte waren bis zum Jahre 1486 verboten. Vor allem die Enthaltung von Fleischspeisen und Tanzveranstaltungen wurden streng geregelt. Dies wurde erst 1960 gelockert, sodass z. B. der Fleischverzicht sich nicht mehr auf alle Freitage, sondern nur noch auf den Karfreitag bezieht. Trotzdem wird von den meisten Christen das "Fleischverbot" am Freitag streng eingehalten, natürlich auch "der Tradition wegen", weil schon die Eltern, die Großeltern und alle christlichen Verwandten Freitags nur Fisch essen und auf Fleisch oder Fleischprodukte komplett verzichten. Es ist, in der katholischen Kirche, aber nur noch ein "Gebot", kein "Verbot" mehr, Freitags fleischlos zu leben.

These 3: Fleisch als Luxuartikel
In den Zeiten, in denen das Fasten entstand, war Fleisch purer Luxus. Wer eine Ziege hatte, schlachtete diese nicht, denn sie gab auch Milch. Nur wer mehrere Ziegen, oder vielleicht sogar zwei, drei Rinder oder Schweine hatte, konnte sich hin und wieder den Genuss von Fleisch erlauben. So war es auch ein Leichtes, Freitags auf Fleisch zu verzichten, denn die meisten Menschen konnten sich dieses Luxusgut schlicht nicht leisten.

Und nun?
Mir ist das alles egal. Ich esse Freitags Fleisch wie an jedem anderen Tag auch. Als christlicher Atheist mache ich da auch vor dem Karfreitag nicht halt, warum sollte ich? Allerdings, ich muss das zugeben, geschieht das auch ein klein wenig als Trotzreaktion. Ich lasse mir von niemandem, und mit Sicherheit nicht von der katholischen Kirche, vorschreiben, was ich wann essen darf. So weit kommt's noch!

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