Der Religionsunterricht meiner Tochter
Als meine große Tochter am Freitag von der Schule kam, bat sie mich inständig, sie aus dem Religionsunterricht zu nehmen. Dazu hatte sie mir in ihrem Aufgabenheft fünf Gründe notiert, die mich davon überzeugen sollten.
- Ich langweile mich zu Tode
- Ich glaube sowieso nicht an Gott
- Ich fühl mich hier völlig Fehl am Platz
- HILFE!
- Ich habe das jetzt lange genug ausgehalten - ich mag nicht mehr
Meine Tochter glaubt schon lange nicht mehr Gott. Wir haben oft darüber geredet, warum Menschen an etwas glauben, was man nicht sehen, nicht greifen, nicht begreifen kann. Ihr fiel auf, das Gott ihr noch niemals geantwortet und ihre Wünsche noch niemals erfüllt hat. Also hat sie über Gott nachgedacht und mich gefragt, ob es Gott überhaupt gibt. Meine Antwort dazu war: "Ich befürchte mal, dass es ihn nicht gibt". Sie fand es äußerst merkwürdig, dass ihr schon im Kindergarten von einem Gott erzählt wird, den es gar nicht gibt. Der immer alles sieht und der alles weiß. Der ihr Wünsche und Nöte kennt und der ihr immer hilfreich zur Seite steht. Davon hat sie, bis heute, nichts bemerkt.
Da ich sie mit meiner Befürchtung nicht alleine lassen wollte, habe ich ihr erklärt, wo Gott herkommt und warum es Gott gibt. Ich habe versucht zu erläutern, warum die Menschen einen Gott brauchen, egal wie er auch immer heißt und warum es wichtig ist, dass wir Gott (oder Götter) haben. Zu Anfangs fand sie alle Menschen bescheuert und doof, die an Gott glauben, doch ich glaube, ich habe sie inzwischen auch so weit, dass sie diese Menschen und ihren Glauben akzeptiert. Genauso möchte sie dann aber auch von diesen Menschen akzeptiert werden, weil sie eben nicht an Gott glaubt.
Im Unterricht verlangte die Lehrerin von den Kindern, Gott zu malen. Nicht, um dieses Abbild dann anzubeten, sondern weil sie wissen wollte, wie die Kinder sich Gott vorstellen. Meine Tochter gab ein leeres Blatt ab. Die Begründung dafür war einfach, kindlich und einleuchtend: "Ich kann nichts malen, an was ich nicht glaube und was es gar nicht gibt!" Sie machte der Lehrerin den Vorschlag, sie könne Gott ja so malen, wie sie ihn sich früher vorstellte. Daraufhin malte sie "Bernd das Brot", allerdings mit Dutzenden Augen.
Ich werde mir nächste Woche einen Termin in der Schule geben lassen um zu versuchen, meine Tochter aus diesem Unterricht herauszuholen. Wir hatten diese Diskussion schon einmal und ich bat sie, sich auf den Unterricht einzulassen und als "Allgemeinwissen" einfach mitzunehmen. Ich erklärte ihr, dass dies vermutlich nur gehen würde, wenn ich sie aus der evangelischen Kirche abmelde. Dazu wäre sie bereit, das wäre kein Problem für sie. Ich erklärte ihr auch, dass sie dann nicht mehr in der Kirche heiraten dürfe, das war ihr klar. Ich erklärte ihr, dass dann auch die Konfirmation ausfallen würde, auch das war ihr klar. Wozu eine Konfirmation, da gehts eh nur wer was von wem geschenkt bekommt.
Ich mache mir so meine Gedanken über diesen "Vorfall". Die Religionslehrerin fordert die Schüler auf, ein Bild von Gott zu zeichnen. Damit verstößt sie gegen das 4. Gebot, welches für Christen sicher bindend ist, oder täusche ich mich da?
Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was
unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist.
Oder gibt es da Ausnahmen? Anscheinend ja schon, denn niemand hält sich so richtig an dieses Gebot. Es gibt Millionen von Bilder, die Gott oder seinen Sohn darstellen. Bilder von der heiligen Jungfrau Maria (die ja auch im Himmel wohnt), eigentlich von allen Heiligen (die alle im Himmel wohnen), Bilder von heiligen Geist (der wohl auch im Himmel wohnt), Bilder über Bilder.
Der Religionsunterricht an den Schulen sollte nicht dazu dienen, die Kinder zum Glauben an Gott zu bekehren, sondern sich mit den Religionen weltweit, mit der Entstehung der Religionen und mit deren Verbreitung zu befassen. Ich halte es für sehr bedenklich, dass in diesem Unterricht unserer Kinder mit etwas konfrontiert werden, gegen das sie sich nicht wehren können. Es gibt kein Entkommen und keinen Ausweg. Ich bin mir sicher, dass ich eine Lawine lostrete, wenn ich meine Tochter aus der Kirche abmelde. Dies möchte sie aus freien Stücken, ich habe sie sicher nicht dazu überredet. Mit es es klar, dass sie, in unserer Gesellschaft, über viele Hürden klettern muss, wenn sie einmal in einem Formular unter Religion "konfessionslos" angibt.
Ich selbst habe mich damit arrangiert. Ich lasse den Leuten ihren Glauben, verlange aber Toleranz und Verständnis, dass wir nicht daran glauben. Ich werde nächste Woche sehen, wie weit diese Toleranz in Niederstetten reicht. Ich werde es sicher nicht dulden, dass irgendjemand meine Tochter besucht, um sie zum Bleiben in der Kirche zu überreden.
Dies werde ich entschieden zu verhindern wissen.






15.03.2010 12:17:45
Hallo Gerd
Also kurz gesagt ;Ich finde es gut das Du auf den Wunsch Deiner tochter eingehst !
Denn mit der Kirche ( religion) ist es doch so wie es mit Homosexuellen früher einmal war !
Outest du dich wirst du blöd angeschaut !
Aber was willst du mit diesen Heuchlern die in die Kirche gehen nur damit sie auch gesehen werden !
Außerdem halten sich doch die wenigste an das was im Buch Gottes steht !
Nur 2 Beispiele : ( Mit Zündstoff für weitere Diskussionen )
Was steht denn in der Bibel Über Frauen ?
Ich will nicht lange zitieren , nur kurz gesagt
Frauen sollten sich um die Familie kümmern un keine höhere Berufsbahn einschlagen !
Gemeint ist :
Sekretärin , ja
Rechtsanwältin oder Richterin ; Nein
und jetzt der Hammer für alle CDU ( für alle die es nicht wissen C steht hier für Christlich ) Anhänger ; schon gar nicht : Bundeskanzlerin !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Nr. 2
Ein oft beliebtes und häufiges Tema : Sex
Ich kann mich da dunkel erinnern ( zumindest bei den katholiken )
das Ich da mal was von Ehelichen Pflichten gehört habe . ...
Wenn jeder in sich gehen würde und sich folgendes vorstellt :
Nemmt einmal an Ihr wäret der Trainer einer bekannten Fußballmannschaft
z.B. Bayern München und euer Starkicker erzählt euch ,das er sich auf das
Spiel am Samstag gegen 1860 sehr freue ,
jedoch die folgende Woche das Spiel gegen Berlin habe er keinen Bock
und würde da nicht mitspielen !
Was würdet ihr dem denn erzählen ???????
Also entweder Ja oder Nein ,
und nicht das gefällt mir das nehm ich mit und alles was mir nicht gefällt Ignoriere ich einfach !
Aber Respekt
das deine Tochter so für ihre Überzeugung einsteht !
Im Übrigen ; Ich bin als Kind Ministrant gewesen aber mitllerweile
schon lange aus der Kirche ausgetreten !
Ach ja , noch was
( Du sollst dir kein Götterbild machen )
da heißt es auch irgendwo
Du sollst keinen Gott ( Götze ) Neben mir haben ( anbeten )
Ich nehme mal an das dies der Grund ist warum sich der Papst
Mit eure Heiligkeit Anbeten äh sorry ansprechen läßt !
Also bis denn denn
Robby
07.04.2010 23:38:13
Sehr gut hast du das beschrieben Gerd.
Ich verzeihe mir eigentlich heute noch nicht dass ich meine Kinder quasi auch zu diesem althergebrachten Brauch sozusagen gezwungen habe.
Grüßle
Werner
20.07.2010 21:09:37
Hallo Gerd,
deine Zweifel kann ich sehr gut verstehen. Da ich selbst Mutter bin, kann ich dir sagen, dass die Praxis mit den Bildern gang und gebe ist und habe das auch kritisch gesehen. dabei geht es aber eben darum, dass jeder schüler verschiedene vorstellungen von gott hat und dass die bindung zu gott, wie sie sich eben die schüler vorstellen ganz verschieden sein kann. (eben nicht biblisch festgeschrieben). ich denke das trifft eben genau den punkt von dir: "Da ich sie mit meiner Befürchtung nicht alleine lassen wollte, habe ich ihr erklärt, wo Gott herkommt und warum es Gott gibt. Ich habe versucht zu erläutern, warum die Menschen einen Gott brauchen, egal wie er auch immer heißt und warum es wichtig ist, dass wir Gott (oder Götter) haben. Zu Anfangs fand sie alle Menschen bescheuert und doof, die an Gott glauben, doch ich glaube, ich habe sie inzwischen auch so weit, dass sie diese Menschen und ihren Glauben akzeptiert. Genauso möchte sie dann aber auch von diesen Menschen akzeptiert werden, weil sie eben nicht an Gott glaubt."
die reaktion auf das leere blatt deiner tochter ist natürlich von der lehrerin nicht so erfreulich.
letztenendes sollte auch nicht vergessen werden, dass reliuntericht ja nun keine gesinnungsbildung ist, sondern religion, religionen und ethische fragen aus konfessioneller sicht betrachtet werden.
@ robby: also so wie du das beschreibst ist es nicht ganz richtig. tschuldigung, aber so kannst du letztenendes nur fundamentalisten kritisieren und das ist meiner meinung nach eher stammtischgeseiere. jeder, der sich ansatzweise mit wissenschaftlichem anspruch mit der bibel auseinandergesetzt hat, kennt die historisch-kritische exegese und das hat nichts mit "das eine nehmen wir raus weil es und nicht mehr passt und das andere behalten wir" zu tun. deine vorwürfe sind total unreflektiert.
viele grüße,
hannah