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Landgasthof Jagstmühle in Heimhausen

Einmal im Jahr gönne ich mir etwas. Das muss einfach sein. Letztes Jahr war es eine teure Softair-Waffe, das Jahr davor ein neuer Fernseher. Dieses Jahr wollte ich einfach nur "sehr gut essen gehen". Eine der besten Gelegenheiten um dies zu tun ist sogar hier in der Nähe. Das Restaurant des Landgasthofes "Jagstmühle" in Heimhausen (bei Mulfingen) ist eine der besten Adressen in der Gegend, wenn es um gehobene Gastronomie geht, die nicht nur im bezahlbaren Bereich liegt, sondern auch die heimische Infrastruktur nutzt, um Gutes, Gesundes und Leckeres aus der Region auf den Tisch zu bringen.

In einer wunderschönen Umgebung eingebettet, bietet der Landgasthof dem Gast nicht nur ein herrliches Ambiente, sondern lädt Sie mit seinen schönen Zimmern auch noch zum Bleiben und Verweilen ein. Wenn Sie dann der Hunger plagt, nehmen Sie in der Gaststube Platz und erfreuen Sie sich an der warmen und angenehmen Stimmung, die das wunderschöne Holzdekor des Gastraumes ausstrahlt.

Sie werden liebevoll umsorgt vom zuvorgekommenen und freundlichen Servicepersonal, welches Ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest, ohne dabei aufdringlich oder störend zu sein. Die Bedienungen führen Sie kompetent durch die Speise- und Weinkarte und haben auf viele Fragen die passende Antwort. Dies ist das Resultat einer Küchenleitung, die darauf bedacht ist, dass das Servicepersonal den Gedanken der guten Küche bis an den Tisch des Gastes bringt. Nur wer weiß, was es zu essen gibt, kann umfassend auf Fragen der Gäste antworten. Freundlichkeit, Höflichkeit, unendliche Geduld und immer ein Lächeln im Gesicht, dass sind die Fähigkeiten, die gutes Personal haben sollte. All dies scheint hier zuzutreffen.

Soweit mein erster, sehr positiver Eindruck, nachdem ich mich gesetzt hatte. Ich fühlte mich sofort aufgehoben und willkommen. Bereits kurz nachdem ich mich setzte, bekam ich mehrere Scheiben selbst gebackenes Brot, etwas Butter, sowie einen Kräuterquark an den Tisch gestellt. Mein Getränk war in Minutenfrist auf dem Tisch, obwohl ich beileibe nicht der einzige Gast war. Ich ordere ein Vier-Gänge-Menü. Der Preis spielte sich dabei im überschaubaren Rahmen ab.

Kräftige Rinderbrühe mit Grieskößchen

Was soll man dazu sagen, Sie sehen es selbst. Das ist von einem Maggi-Suppenwürfel weit entfernt. Die wunderbare goldgelbe Farbe der Brühe, die ausgezeichnet geklärt war, der üppige Geruch von frischen Weiden und gesundem Rind, dazu die hervorragenden Griesklößchen: Besser kann man ein so einfaches Gericht nicht machen. Die Brühe war wirklich kräftig im Geschmack, manch' Gaumen würde sagen, fast zu kräftig, aber ich mag das so. Was mir vor allem gefallen hat: Die Suppe war heiß! Wirklich heiß! Nicht so ein lauwarmes Süppchen, was sie mancherorts vorgesetzt bekommen. Ohne Pusten ging hier nichts weiter! Aber das ist gut so, denn Suppe muss heiß auf den Tisch!

Saiblingstartar mit weißem Spargelmousse
und marinierten Flusskrebsen

Dazu gab es grüne und weiße Spargelspitzen und einen feinen Gurkensalat. Auf dem Saiblingstartar befand sich ein Teelöffel feiner, gelber Saiblingskaviar (da kosten 100 Gramm im Einkauf bis zu 30 Euro!). Etwas Köstlicheres habe ich bisher noch nicht gegessen. Dieser Kaviar war ein Hochgenuss. Wenn man diese Körnchen in den Mund nimmt und mit einem leichten Druck der Zunge zerplatzen lässt, entfaltet sich die komplette Vielfalt des Geschmacks mit einem Schlag. Das ist fast nicht zu beschreiben, es war einfach ausgesprochen lecker. Davon hätte ich wirklich mehr essen können. Der Tartar vom Saibling, die Flußkrebse, der Spargel und der Salat waren ebenfalls ausgezeichnet. Der Spargelmousse, nunja, ich werde wohl kein Freund von Spargelmousse werden. Er hat leider nicht einmal nach Spargel geschmeckt und ich musste noch einmal nachfragen, was denn diese weiße Halbkugel darstellt. Das trübt aber nicht das handwerkliche Geschick des Kochs, denn die Konsistenz des Mousse war über alle Zweifel erhaben. Es hat mir nur nicht geschmeckt, das ist alles.

Schwäbischer Zwiebelrostbraten vom Hohenloher Rind
mit Bratkartoffeln und Bohnengemüse

Die Optik dieses Gerichtes fällt ein wenig ab, wenn man sich den 2. Gang noch einmal anschaut. Das macht aber nichts, denn jetzt wird gegessen. Die Soße, lieber Leser, die Soße, was soll man dazu sagen. So lecker! Die Bohnen waren auf den Punkt gekocht, die Bratkartoffeln toll angebraten. Sie entfalteten ein schönes Röstaroma und waren fein abgeschmeckt. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl nach dem Salz- oder Pfefferstreuer greifen zu müssen.

So nebenbei: Immer, wenn einer der Bedienungen durch den Raum ging, streifte ihr Blick alle Tische, an denen Gäste saßen. War etwas leer, wurde dezent nachgefragt. Auch ich wurde gefragt und orderte noch etwas von der vorzüglichen Soße, die innerhalb einer Minute auf meinem Tisch stand. Nur der Lehrling, der wusste manchmal nicht so recht, wo er den Teller, den er in der Hand hielt, hinbringen sollte. Aber dafür ist er ja auch der Lehrling, gell?

Jetzt sehen Sie sich das Fleisch an, ein Hochgenuss! Es war wunderbar "medium" gebraten und so zart, dass man es fast mit der Gabel zerlegen konnte. Es hatte eine wunderbare, kross angebratene Kruste, war perfekt gewürzt und schmeckte einfach toll! Die frischen  Röstzwiebeln waren ebenfalls hervorragend und nicht aus der Packung draufgestreut (alles schon erlebt!). Nachdem ich den Teller leergegessen hatte tunkte ich noch die letzten Soßenreste mit einem Stück Brot auf und löffelte die übrig gebliebene Soße aus der Soßenschüssel. Ich konnte nicht anders!

Topfenschaum mit Erdbeeren
und Rosmarinkrokant

Sehen Sie sich das Bild an. Sieht das nicht schon nach Genuss aus? Und das war es auch! Der Topfenschaum (eine Quarkcreme) war das Beste, was ich jemals in meinem Leben an Quarkcreme gegessen habe. Das war perfekt. Besser kann man das nicht machen. Ich war im Quarkcremehimmel angekommen! Die Erdbeerstückchen auf der Creme hätten, meiner Meinung nach, noch vom Grünzeug befreit werden müssen. Man sagte mir zwar, das gehöre so, aber kein Gast wird das mitessen. Das war ein schönes Gefummel, das Grünzeug wegzubekommen. Die Kugel Eis in der Mitte stammte vom Demeterhof und war sehr, sehr lecker.

Wo soviel Licht ist, da ist meist auch Schatten: Der "Krokant" war leider völlig ungenießbar. Er war steinhart und wenn man etwas davon kaute, blieb er fies in den Zähnen stecken. So zerbrach ich die Krokanthülse und schleckte nur die Quarkcreme heraus. Da durfte kein Tropfen verloren gehen! Den Teller hätte ich gerne abgeleckt!

Fazit:
Die wenigen Kritikpunkte sind meinem persönlichen Geschmack geschuldet und das ist "Meckern auf sehr hohem Niveau"! Es war ausgesprochen lecker, vorzüglich, hervorragend. Ein Essen, das ich jederzeit wiederholen würde. Das nächste Mal nehme ich aber meine Frau mit. Die wird den Nachtisch lieben!

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