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Ich liebe dieses Land

Deutsche Polizisten unterwegs in einer gottverlassenen Ecke in Afghanistan. 40 Minuten sollte der Weg zu einem Außenposten dauern, bei dem es in den letzten Wochen immer wieder Gefechte zwischen der regulären afghanischen Polizei mit Taliban und Schmugglern gegeben hat. Im Konvoi ein Dingo und zwei Jeeps von Mercedes. Nach einigen Minuten wollen die drei Fahrzeuge über eine Behelfsbrücke, doch der Dingo, immerhin 13 Tonnen schwer, macht das Ding kaputt. Einen anderen Weg gibt es aber nicht, außer man fährt ein Umweg. Nachdem einer der Jeeps den Dingo aus dem Morast gezogen hat - und sich dabei einen Teil der Abschleppvorrichtung abgerissen hatte, schaute einer der schwer bewaffneten Polizisten in die Kamera und sagte: "Afghanistan, ich liebe dieses Land!" Und man sah diesem Mann an: der meinte das ernst!

40 Minuten sollte es dauern, es dauerte 4 Stunden. Nachdem man den Außenposten erreicht hatte sprach man zunächst mit den dort stationierten Polizisten. Was ich allerdings gesehen habe war eine abgemagerte Gestalt in einer viel zu großen Uniform, der nichts von dem verstand, was der deutsche Beamte von ihm wollte. Nachdem einer der Deutschen die Dienstpistole des Wachhabenden überprüft und festgestellt hatte, dass diese nur zwei Patronen geladen hatte, fragte man nach dem Rest der Munition. Die Antwort war nicht sehr befriedigend, die Afghanen meinten, die wären beim letzten Gefecht mit den Schmugglern verschossen worden. Einer der deutschen Polizisten wollte das nicht ganz glauben, denn er betonte mehrfach, dass man beim letzten Besuch wirklich genug Munition da gelassen hatte. Unterschwellig klingt es durch und hängt in der Luft: Die Munition wurde verkauft. Oder verschenkt. An wen? Wer braucht in diesem Landstrich Munition? Sicher nicht der Bauer nebenan.

Mir ist es immer noch schleierhaft und es konnte mir bis heute niemand glaubhaft erklären, warum deutsche Soldaten und Polizisten in diesem Land "humanitäre Hilfe" leisten, in dem es nichts gibt außer Dreck, Staub, Islam und Taliban. Welche Gefahr geht denn von diesem Land aus? Mit was bedrohen die Taliban den Rest der Menschheit dass man mit allen Nationen gegen sie vorgehen muss? Und vor allem: Welches Armutszeugnis stellt sich die internationale Truppe aus, die seit 8 Jahren dort stationiert ist und beim besten Willen und allem Wohlwollen nichts erreicht hat! Nichts. Wenn die Truppen aus diesem Land abziehen, werden die ausgebildeten und bewaffneten Polizisten und große Teile der regulären Armee zur Taliban überlaufen. Die Russen haben fast 20 Jahre versucht dieses Problem in den Griff zu bekommen und sind kläglich daran gescheitert. Warum sollte es jetzt mit den internationalen Truppen funktionieren?

Und vor allem bleibt die Frage: Wenn das mit den hoch gesteckten Zielen (ein islamisches, demokratisches Afghanistan ist so wahrscheinlich wie ein bemannter Flug nach Alpha Centauri denn islamisch und demokratisch widerspricht sich einfach) klappen sollte, ist dann Pakistan als nächstes an der Reihe? Dorthin ist die Führung der Taliban nämlich geflüchtet, nachdem die Amerikaner 2001 große Teile Afghanistans "zurückerobert" hatten. Machen wir dann in Pakistan weiter?

Ich prophezeie aber, dass das nicht passieren wird. Solange es nur einen Taliban gibt, wird es in diesen Ländern niemals Ruhe geben. Die Menschen in dieser Region kennen nichts anderes. Die Taliban sind primitiv, aber nicht dumm. Gibt es ein Erdbeben oder eine Überschwemmung sind sie als erstes vor Ort und helfen. Sie bezahlen die Bauern, damit diese Mohn anbauen. Die Heroinproduktion wird in diesem Land inzwischen, mit Duldung der USA, in riesigen Fabriken erledigt. Den Bauern wird von Verkäufern Hybridsamen aufgeschwatzt, natürlich gegen Bezahlung! Reift dieses Korn, lässt es sich aber nicht wieder aussähen. Es muss also neues Saatgut gekauft werden. Das macht die Bauern abhängig. Und zunehmend wütend. 90% des weltweiten Heroins kommen aus Afghanistan! Dieses Land ist der größte Drogenlieferant der Welt. Das ändern auch die internationalen Truppen nicht. Die Soldaten haben Anweisung, die Mohnfelder in Ruhe zu lassen, da diese meist die einzige Einnahmequelle der sehr armen Landbevölkerung ist. Würde man die Felder niederbrennen, die Fabriken zerstören und die Hintermänner verhaften, darunter auch hohe Tiere der DEA, dem Drogendezernat der USA, würde man die Bevölkerung gegen sich aufbringen.

Dafür sind unsere deutschen Soldaten in Afghanistan? Um den Drogenhandel am Laufen zu halten? Um afghanischen Warlords das Einkommen zu sichern? Wenn nicht dafür, wofür dann? Um die Demokratie der Welt zu sichern? Die Afghanen wollen unsere Demokratie nicht. Die wollen weiter an der Opiumpfeife rauchen und ihre neunjährigen Buben ficken. Uns hat von den Afghanen niemand gerufen, wir sind einfach gekommen. Vielleicht wollten die gar nicht gerettet werden?

Was ich mich auch frage: Warum bekämpft man die Taliban in Afghanistan, lässt aber die islamischen Fundamentalisten, die zur Zeit in Somalia ihr Unwesen treiben, völlig ungehindert gewähren? In großen Teilen dieses armen Landes wurde von islamischen Warlords die Scharia eingeführt und damit die Möglichkeit geschaffen, die Bevölkerung mit Mord, Totschlag und völlig verblödeten Gesetzen zu unterdrücken. Seit dieser Woche ist es Frauen unter schweren Strafen verboten, ihnen fremden Männern die Hand zu schütteln. Dies wird als unsittliche Berührung erachtet und bestraft. Es ist auch verboten sich mit dem anderen Geschlecht zu unterhalten oder spazieren zu gehen. Der Chef der Rebellen überzieht das ganze Land mit einer Welle der Gewalt. Warum stoppt den keiner?

Weil es in diesem Land nichts zu holen gibt. Im Irak gibt es Öl, in Afghanistan Drogen. Woher das Geld kommt, das ist egal. Geld stinkt nicht.

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